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Die strafrechtliche Dimension der MiCAR-Umsetzung in Liechtenstein

Project Description

Die Verordnung (EU) 2023/1114 (Markets in Crypto-Assets Regulation, MiCAR) schafft erstmals einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen für Kryptowerte und deren Dienstleister. Sie regelt insbesondere die Ausgabe, das öffentliche Angebot sowie die Zulassung von Kryptowerten zum Handel und stellt verbindliche Anforderungen an Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen. Ziel der Verordnung ist es, die Integrität der Märkte zu sichern, den Anlegerschutz zu stärken und eine risikogerechte Regulierung im digitalen Finanzsektor zu gewährleisten. Ein besonders relevanter Anwendungsbereich der MiCAR betrifft Krypto-Börsen als zentrale Plattformen des Kryptomarkts. Für Liechtenstein, das als EWR-Mitgliedstaat zur Übernahme der MiCAR verpflichtet ist, wurde mit dem EWR-MiCA-Durchführungsgesetz (EWR-MiCA-DG) vom 5. Dezember 2024 eine nationale Vorab-Umsetzung beschlossen. Dieses Gesetz enthält insbesondere straf- und verwaltungsrechtliche Vorschriften zur Sicherstellung der Einhaltung der MiCAR-Vorgaben. Das beantragte Forschungsvorhaben widmet sich der strafrechtlichen Dimension dieser Umsetzung. Im Mittelpunkt stehen die sanktionsbewehrten Regelungen des EWR-MiCA-DG, namentlich die Verletzung der Geheimhaltungspflicht und unerlaubten Tätigkeit (Art. 26), Insiderhandel und unrechtmässige Offenlegung (Art. 27), die Marktmanipulation (Art. 28) sowie die zahlreichen Verwaltungsübertretungen (Art. 31). Ziel ist eine systematische, rechtsdogmatische und zugleich praxisnahe Analyse dieser Strafbestimmungen im Kontext des liechtensteinischen Wirtschafts- und Strafrechts.

Relevance to Liechtenstein

Das Projekt ist unmittelbar im liechtensteinischen Rechtskontext verortet. Liechtenstein, das sich mit dem Token- und VT-Dienstleister-Gesetz (TVTG) bereits früh als innovationsfreundlicher Standort im Krypto- und Blockchain-Bereich positioniert hat, profitiert in besonderem Masse von der Umsetzung der MiCAR-Regelungen. Die Anwendung der MiCAR fördert die Rechtsklarheit, stärkt die Marktintegrität und erhöht die internationale Anschlussfähigkeit des liechtensteinischen Finanzplatzes. Durch die Untersuchung der strafrechtlichen Dimension der MiCAR-Umsetzung leistet das Projekt zudem einen Beitrag zur Weiterentwicklung der nationalen Rechtsordnung und stösst eine breitere gesellschaftliche Debatte über die regulatorische Gestaltung der Krypto-Ökonomie an.

Scientific, Economic and Societal Impact

Das Projekt liefert praxisrelevante Erkenntnisse zur Umsetzung und Anwendung der MiCAR im Finanzsektor. Die Analyse der strafrechtlichen Bestimmungen ermöglicht es insbesondere, potenzielle Haftungsrisiken für Marktteilnehmer frühzeitig zu erkennen und fundierte Präventions- sowie Compliance-Strategien für Finanzunternehmen zu entwickeln. Damit trägt das Projekt zu einer nachhaltigen Regulierungspraxis bei, stärkt langfristig Rechtssicherheit und Marktvertrauen und unterstützt die strategische Zielsetzung der Universität, Forschung mit hoher praktischer Relevanz und gesellschaftlicher Wirkung zu fördern.