Skip to Main Content

Monaco

Monaco

Clarissa Rixmann

Mut zur Sprache: Wie ich meine Komfortzone verlasse

Die Innenstadt Monacos

In diesem Blogeintrag möchte ich darüber reflektieren, wie ich mit den Sprachen umgehe, die ich hier in meinem Alltag und in meinem Studium verwende. Meine Universität ist international, was bedeutet, dass alle Lehrveranstaltungen auf Englisch stattfinden. Am Anfang hatte ich ehrlich gesagt grossen Respekt vor der Vorstellung, komplett auf Englisch zu studieren. Ich fragte mich, ob ich in den Vorlesungen alles verstehen und ob ich bei Präsentationen mithalten können würde. Mittlerweile kann ich sagen, dass es sehr gut funktioniert. Die Inhalte werden klar erklärt, es gibt keine unnötig komplizierten Fachbegriffe, und ich merke, dass ich den Lehrveranstaltungen ohne Probleme folgen kann.

 

Was mir ebenfalls sehr hilft, ist mein Umfeld. Viele meiner Freunde hier sind englische Muttersprachler. Durch ganz normale Alltagsgespräche lerne ich ständig neue Ausdrücke und Redewendungen, die man im normalen Sprachunterricht nie wirklich mitbekommt. Besonders in Gruppenarbeiten fällt mir auf, wie schnell man sich verbessert, wenn man Aufgaben gemeinsam bespricht, versucht Lösungen zu finden und sich gegenseitig Feedback gibt. Dadurch bin ich beim Sprechen viel selbstbewusster geworden und fühle mich inzwischen auch in akademischen Situationen sehr wohl auf Englisch.

 

Mit Französisch ist es anders. Ich habe in der Schule vier Jahre Französisch gelernt, aber am Ende sind hauptsächlich die Grundlagen geblieben. Überraschenderweise reichen diese Grundlagen oft für Alltagssituationen aus. Wenn mich jemand auf der Strasse nach dem Weg fragt oder möchte, dass ich ein Foto mache, kann ich meistens auf Französisch antworten. Auch in Cafés und Geschäften komme ich die meiste Zeit gut zurecht.

 

Schwieriger wird es, wenn jemand sehr schnell spricht oder viele informelle Ausdrücke verwendet. In solchen Momenten frage ich höflich, ob die Person auch Englisch spricht. Meistens funktioniert das, aber besonders ältere Menschen oder Leute in weniger touristischen Gegenden sprechen oft nur Französisch. In diesem Fall versuche ich einfach ruhig zu bleiben, sehr einfache Sätze zu verwenden und, wenn nötig, Dinge mit Händen zu erklären. Und ehrlich gesagt funktioniert das überraschend gut. Am Ende versteht man sich meistens, auch wenn die Grammatik nicht perfekt ist.

 

Aus diesen Situationen habe ich schon viel gelernt. Zuerst einmal ist es wichtig zuzugeben, wenn man etwas nicht verstanden hat. Das lässt einen nicht schwächer wirken; es zeigt, dass man sich bemüht. Ich habe auch erkannt, wie wertvoll es ist, die eigene Komfortzone zu verlassen. Natürlich wäre es fürs Erste das Einfachste, einfach Deutsch zu sprechen. Aber das ist hier schlicht keine Option und genau deshalb wachse ich daran. Ich versuche es, auch wenn ich mir nicht zu 100% sicher bin. Ich mache Fehler, aber diese Fehler helfen mir. Jede erfolgreiche Interaktion, egal wie unperfekt, gibt mir mehr Selbstvertrauen.

 

Weil ich ständig auf Englisch und Französisch kommuniziere, habe ich begonnen viel mehr darüber nachzudenken, wie ich wirke, wenn ich spreche. Ich achte darauf, klar zu sein, und ich höre meinem Gegenüber wirklich zu. Wenn etwas nicht klar ist, frage ich nach oder bitte darum, es mit anderen Worten zu erklären. Ich habe gelernt, dass man mit Geduld, Respekt und einfachen Sätzen sehr weit kommen kann. Diese Fähigkeiten gehen über Sprache hinaus, sie sind allgemein wichtig im Umgang mit Menschen.

 

Ich bin überzeugt, dass mir diese Erfahrungen später in meinem Berufsleben nützlich sein werden. In internationalen Teams ist es wichtig, klar zu kommunizieren, Rückfragen zu stellen und gemeinsam Lösungen zu finden. Genau das übe ich hier jeden Tag. Ich übernehme Verantwortung dafür zu verstehen, was andere sagen, und dafür zu sorgen, dass sie mich verstehen. Dadurch fühle ich mich fähiger, auch wenn nicht immer alles perfekt läuft.

 

Wenn ich auf den Anfang zurückblicke, wird mir klar, wie unnötig meine Angst eigentlich war. Heute bin ich stolz auf mich, dass ich den Mut hatte, das zu tun, und dass ich drangeblieben bin. Auf Englisch zu studieren funktioniert inzwischen richtig gut, und im Französischen mache ich Schritt für Schritt Fortschritte. Viele kleine Momente zeigen mir, dass es sich lohnt: ein kurzes Gespräch im Supermarkt, ein freundlicher Austausch im Bus oder eine Erklärung, die irgendwie mit zwei Wörtern und einem Lächeln funktioniert.

 

Am Ende habe ich Folgendes gelernt: Mut und Freundlichkeit bringen dich weiter als Perfektion. Man muss bereit sein, Fehler zu machen, denn nur so wird man besser. Diese Einstellung möchte ich unbedingt behalten, denn sie hilft mir nicht nur bei Sprachen, sondern im Leben allgemein.

Die Innenstadt Monacos