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Nachbericht zum Intensivkurs «Steuerstrafrecht»

Nachbericht zum Intensivkurs «Steuerstrafrecht»

Ein Mann in Anzug steht neben einem Plakat, das den Intensivkurs „Steuerstrafrecht“ der Universität Liechtenstein ankündigt. Das Plakat enthält Informationen zu Datum, Uhrzeit und Inhalten des Kurses.

Die Professur für Wirtschaftsstrafrecht, Compliance und Digitalisierung führte am 12. und 13. Mai 2025 den Intensivkurs «Steuerstrafrecht» durch.

 

Bereits die Grössenordnung der Steuerkriminalität illustriert deren besondere Aktualität und Praxisrelevanz: Die sogenannte Steuerlücke ist die Differenz zwischen laut Gesetz zu zahlenden und tatsächlich geleisteten Steuern. Sie misst insbesondere auch den Steuerausfall durch kriminelles Verhalten. Studien für Österreich legen eine Steuerlücke von bis zu CHF 15 Mrd. für das Jahr 2021 nahe (rund 8% der erwarteten Gesamteinnahmen). Die Mehrwertsteuerlücke der Europäischen Union wurde im Jahr 2020 auf rund CHF 90 Mrd. geschätzt (rund 9% der erwarteten MwSt.-Gesamteinnahmen). Etwa ein Viertel der Lücke soll direkt auf Mehrwertsteuer-Betrug zurückzuführen sein.

 

Das Steuerstrafrecht ist eine klassische Querschnittsmaterie: Die zwei – schon je für sich – anspruchsvollen Rechtsgebiete Finanzrecht und Strafrecht gehen zwar «Hand in Hand», sind aber charakterlich verschieden. Praxisarbeit im Steuerstrafrecht erfordert daher Grundkenntnisse in beiden Rechtsgebieten. Besonders kompliziert können ausserdem Prozessrechtsfragen sein: Ein einheitliches Verfahrensgesetz – wie im Kriminalstrafrecht die liechtensteinische Strafprozessordnung – existiert nicht. Nicht zuletzt aus der Grundrechtsperspektive von Beschuldigten ist das herausfordernd.

 

Der Gesamtfokus des Kurses lag auf der Vermittlung von Grundzügen des Steuerstrafrechts unter Einbeziehung des komplexen Regelungszusammenhangs. Die Lösung von Rechtsproblemen in der Praxis erfordert einen «Werkzeugkoffer». Die wichtigsten Werkzeuge sind Grundkenntnisse juristischer Arbeitstechnik, Problembewusstsein und systematisches Verständnis. Dr. Günther Schaunig, Postdoc-Assistent an der Professur für Wirtschaftsstrafrecht, Compliance und Digitalisierung vermittelte diese Grundkenntnisse sowie eine Systembildung, um die Fragmente der Rechtsordnung in einen grösseren Zusammenhang zu stellen und so klarer werden zu lassen. Danach wurden Schwerpunkte wie Mehrwertsteuerdelinquenz und das in der (Verteidigungs-)Praxis besonders wichtige Prozessrecht vertieft. Prof. Dr. Konstantina Papathanasiou, LL.M., schloss den Kurs mit Ausführungen zum Unternehmensstrafrecht ab.

Ein Mann in Anzug steht neben einem Plakat, das den Intensivkurs „Steuerstrafrecht“ der Universität Liechtenstein ankündigt. Das Plakat enthält Informationen zu Datum, Uhrzeit und Inhalten des Kurses.