Recht im Wandel: Forschung mit Weitblick – Publikationen der Liechtenstein Business Law School im ersten Halbjahr 2025
Recht im Wandel: Forschung mit Weitblick – Publikationen der Liechtenstein Business Law School im ersten Halbjahr 2025
Ob Klimaklagen, Stiftungsrecht, Steuerverfahren oder internationale Steuerpolitik – die aktuelle Forschung an der Liechtenstein Business Law School greift zentrale rechtliche Herausforderungen unserer Zeit auf. Im ersten Halbjahr 2025 wurden mehrere wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, die nicht nur durch Fachtiefe und Praxisrelevanz überzeugen, sondern auch internationale Sichtbarkeit schaffen.
Eine Auswahl dieser Arbeiten stellen wir hier vor. Am Ende des Beitrags findet sich zudem einen Link zu einer weiteren aktuellen Veröffentlichung mit Bezug zur internationalen Philanthropie.
Klimaklagen: Ein Risiko für Unternehmen?
Weltweit werden immer mehr Klimaklagen gegen Unternehmen eingereicht – insbesondere gegen grosse Treibhausgasemittenten. Ein niederländisches Urteil gegen Shell aus dem Jahr 2021 markierte einen Wendepunkt: Erstmals wurde ein Unternehmen zu konkreten Klimaschutzmassnahmen verpflichtet. Ein aktueller Fachbeitrag von Bernhard Burtscher, Professor für Bank- und Finanzmarktrecht zeigt, dass Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen oft keinen vollständigen Schutz vor solchen Klimaklagen bieten.
Burtscher, B. (2025). Versicherungsschutz für Klimaklagen. Versicherung in Recht und Wirtschaft (VRW), 1(1), 4-13.
Globale Mindeststeuer im Fokus: Neue Studie zeigt Schwächen bei Steuerneutralität
An der 4. International Conference on Fiscal Policy and Economic Development in Doha, Katar, präsentierte Niklas Kaiser, Doktorand für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Steuerrecht, die Studie «Tax Neutrality Schemes and GloBE: Interaction, Impact & Options for Policy Reform». Im Zentrum steht die Frage: Ist die globale Mindeststeuer der OECD (GloBE) ein entscheidungsneutrales Unternehmensbesteuerungssystem oder schafft sie neue Verzerrungen? Die Analyse vergleicht die GloBE-Vorgaben mit einem steuerneutralen Referenzsystem mit Eigenkapitalzinsabzug, wie es beispielsweise in Liechtenstein angewendet wird. Das Ergebnis: Durch den Substanzabzug unter GloBE, die soganannte Substance-Based Income Exclusion, entsteht eine systematische Ungleichbehandlung zwischen verschiedenen Branchen. Fazit der Studie: Obwohl die globale Mindeststeuer einzelne Elemente enthält, die sich am Prinzip der entscheidungsneutralen Besteuerung orientieren, weicht sie in ihrer Gesamtausgestaltung davon ab – mit potentiell gesamtwirtschaftlich nachteiligen Folgen.
Kaiser, N. (2025). Tax Neutrality Schemes and GloBE: Interaction, Impact & Options for Policy Reform. Presented at the 4th Annual Conference on Fiscal Policy and Economic Developments, Doha, Qatar.
Wie sich moderne Steuerprüfung verändert – und warum gute Vorbereitung entscheidend ist
In seinem Beitrag im neuen Handbuch zur österreichischen Bundesabgabenordnung (BAO) beleuchtet Mag. Dr. Günther Schaunig zusammen mit zwei weiteren Kollegen, wie sich Steuerprüfungen in Österreich verändern – und welche Folgen sie haben können. Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen abgabenrechtlichen Prüfungsmassnahmen, den Verfahrensabläufen sowie den Rechten und Pflichten des Abgabepflichtigen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der steuerstrafrechtlichen Dimension im Zusammenhang mit Steuerprüfungen. Auch der wachsende Einsatz digitaler Technologien durch die Finanzverwaltung kommt zur Sprache.
Der Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, sich professionell auf Prüfungen vorzubereiten: Denn bei Beanstandungen droht oft ein Steuerstrafverfahren – mit hohen Kosten und weitreichenden Konsequenzen. Der Text macht klar: Eine vernetzte Sicht auf steuerliche Risiken ist heute unerlässlich.
Gurtner, W., Papst, S., & Schaunig, G. (2025). Außenprüfungen und verwandte Maßnahmen im Abgaben- und angrenzenden Finanzstrafverfahren. In C. Endfellner & M. Puchinger (Eds.), BAO - Bundesabgabenordnung (4 ed., pp. 175-224). Graz, Austria: dbv-Verlag.
Die «goldene Mitte» zwischen Wahrheitserforschung im Strafverfahren und Grundrechtsschutz
Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen sind zentrale Instrumente in Strafverfahren – besonders bei komplexen Wirtschaftsdelikten. Ohne Beweise aus der digitalen Welt, etwa aus grossen Datenmengen («Big Data»), sind solche Verfahren heute kaum mehr denkbar. Doch wie lassen sich moderne Ermittlungsmethoden mit dem Schutz der Grundrechte in Einklang bringen?
Dieser Frage widmet sich Mag. Dr. Günther Schaunig in seinem aktuellen Beitrag. Er analysiert die Anforderungen, welche die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) an solche Zwangsmassnahmen stellt – insbesondere im Hinblick auf die Verfahrensfairness und den Schutz vor staatlichem Eingriff. Dabei zeigt er auf, wie leicht Grundrechtsverletzungen entstehen können – und wie diese durch eine sorgfältige Anwendung des Rechts vermieden werden können.
Besonders praxisnah: Die Analyse stützt sich auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, die auch für Gerichte in Liechtenstein eine wichtige Orientierung bietet.
Schaunig, G. (2025). House Searches and Seizures in Criminal Proceedings: The Perspective of an Effective Protection of Fundamental Rights with a Focus on Mobile Devices and Data. University of Vienna Law Review, 9(1), 20-54.
Spezialvollmacht bei Stiftungsänderungen: Anmerkung zur Entscheidung des österreichischen OGH
Dr. Marco Lettenbichler hat in der Österreichischen Jurist:innen Zeitung eine vielbeachtete Urteilsanmerkung zur Entscheidung des österreichischen OGH veröffentlicht. Seine Analyse beleuchtet die Notwendigkeit einer Spezialvollmacht bei Änderungen der Stiftungserklärung und zieht rechtsvergleichende Schlüsse zum liechtensteinischen Stiftungsrecht. Die Publikation unterstreicht die hohe Relevanz der Forschung an der Universität Liechtenstein im Bereich des Stiftungsrechts.
Lettenbichler, M. (2025). Spezialvollmacht und Änderung der Stiftungserklärung (Anmerkung zu OGH 20. 9. 2024, 6 Ob 162/23a). Österreichische Jurist:innenzeitung(5), 305-306.
Neue Rolle der Begünstigten im Trustrecht – Reformvorschlag sorgt für Diskussion
Im Rahmen der geplanten Reform des liechtensteinischen Trustrechts rückt unter anderem die Stellung der Begünstigten ins Zentrum der Debatte. In einem aktuellen Beitrag im Journal für Erbrecht und Vermögensnachfolge (JEV) analysiert Prof. Dr. Alexandra Butterstein, LL.M., Professorin für Gesellschafts-, Stiftungs- und Trustrecht, die vorgesehene Einführung eines sogenannten «Informationsberechtigten». Mit dieser Neuerung wird das Ziel verfolgt, Kontrolldefizite in der Trust Governance zu beheben und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Doch die vorgeschlagene Lösung wirft allgemeine Fragen zur Rechtsstellung der Begünstigten auf: Anstatt die Rechte der Begünstigten zu stärken, verlagert der Reformvorschlag die Kontrolle auf den Informationsberechtigten, womit vom ursprünglichen Modell des angelsächsischen Rezeptionsvorbild abgewichen wird. Alexandra Butterstein plädiert dafür, die geplante Abkehr vom traditionellen Beneficiary Principle zu überdenken und stattdessen eine stärkere Rechtsstellung der Begünstigten gesetzlich zu verankern – optional ergänzt durch die Figur des Informationsberechtigten.
Butterstein, A. (2025). Die Rechtsstellung der Begünstigten in der geplanten Reform des liechtensteinischen Trustrechts. Journal für Erbrecht und Vermögensnachfolge (JEV),1 (2025).
Studie zu den besten Standorten für gemeinnützige Stiftungen und philanthropisches Engagement
Zusätzlich begleiteten Prof. Dr. Alexandra Butterstein und Prof. Dr. Marc Gottschald eine Studie zu den besten Standorten für gemeinnützige Stiftungen und philanthropisches Engagement. Details hierzu können in folgendem Artikel gefunden werden: https://www.uni.li/de/neuigkeiten/7-weltweit-auf-platz-1-liechtenstein-erneut-bester-standort-fuer-philanthropisches-engagement