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Vielfältiges Jubiläumsprogramm zu Ehren des ersten modernen Architekten in Liechtenstein, Ernst Sommerlad (1895-1977)

Vielfältiges Jubiläumsprogramm zu Ehren des ersten modernen Architekten in Liechtenstein, Ernst Sommerlad (1895-1977)

Menschen, die auf Architekturmodelle schauen

Am 27. November 2025 stand der Campus der Universität Liechtenstein ganz im Zeichen von Ernst Sommerlad. Zum 130. Geburtstag des Architekten füllte sich das Auditorium mit Fachleuten, Interessierten und Hausbesitzer:innen, um einem Mann nachzuspüren, der Liechtenstein früh auf die Landkarte der Moderne gesetzt hat. Sommerlad war der erste akademisch ausgebildete Architekt, der sich im Fürstentum niederliess. Mit mehr als 200 Bauten in Liechtenstein sowie in St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Graubünden und dem Vorarlberg prägte er ganze Landschaften und Siedlungen.

Wer heute über Sommerlad spricht, spricht auch über eine aussergewöhnliche Pionierleistung. Als der 29-jährige Architekt 1924 nach Liechtenstein kam und in Schaan sein Büro eröffnete, war modernes Bauen hier nahezu unbekannt. Dennoch fand er Unterstützung bei lokalen Handwerker:innen, setzte erste Projekte um und verlagerte später seinen Wirkungskreis nach Vaduz. Dort entstand unter seiner Planung auch das Villenquartier Ebenholz, in unmittelbarer Nähe der heutigen Universität.

Wissenschaftliches Symposium

Der Tag begann mit Begrüssungen und einer Einführung in Thema und Kooperation. Verantwortet und kuratiert wurde das Symposium von Dr. Britta Hentschel (Universität Liechtenstein, LSA, Fachgruppe Bauerbe und Upcycling) und Prof. Dr. Katrin Albrecht (OST, Fachhochschule Ostschweiz), die den Rahmen für eine vielschichtige Annäherung an Sommerlads Werk steckten.

Unter dem Titel „Sommerlad, der Grenzgänger“ richtete der Vormittag den Blick darauf, in welchem zeitlichen und gesellschaftlichen Umfeld Sommerlad arbeitete. Die Beiträge zeichneten nach, wie er sich zwischen verschiedenen Regionen bewegte und dort auf ganz unterschiedliche kulturelle und bauliche Bedingungen und auch Widrigkeiten traf. So wurde verständlich, welche Strömungen, Erwartungen und Möglichkeiten seine Arbeit prägten. Im Vordergrund stand weniger eine Aufzählung einzelner Bauten als die Frage, wie Sommerlad als Vermittler zwischen Orten, Traditionen und dem Geist der Moderne agierte und daraus eine eigene, auf den Alpenraum bezogene architektonische Haltung entwickelte.

Am Nachmittag weitete sich der Blick noch stärker mit Fokus auf dem Thema des Erhaltens und Weiterentwickelns der Bauten Sommerlads. Aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven wurde gezeigt, wie Sommerlads Bauten heute gelesen werden können, als Teil einer Baukultur, die Grenzen stets eher als Verbindungen verstand. In der Diskussion verdichtete sich das Bild eines Architekten, der nicht als vermeintlicher Solitär wirkte, sondern als jemand, der mit grosser Offenheit arbeitete, verhandelte und übersetzte. Genau diese Anpassungsfähigkeit trat als eine seiner besonderen Qualitäten hervor, sowohl im Umgang mit Auftraggebern und Kontexten als auch in der Dauerhaftigkeit seiner Bauten, die bis heute erstaunlich wandelbar geblieben sind. Umso mehr blieb zu bedauern, dass fast die Hälfte von Sommerlads knapp 120 Bauten in Liechtenstein bereits abgerissen sind.

Auch wurde Sommerlads eigener gewandter Umgang mit den zu seiner Zeit neuen Möglichkeiten des Personen- und Gesellschaftsrechts (PGR) ab 1926 aus staatsrechtlicher Perspektive verdeutlicht und die vom Architekten angestossenen Bodenpolitik im Land auch sozialräumlich analysiert.

Eröffnung der Ausstellung und Buchpräsentation 

Nach dem wissenschaftlichen Teil ging der Tag am späten Nachmittag in die Buchpräsentation und die Eröffnung der begleitenden Ausstellung über. Regierungschefin-Stellvertreterin und Kulturministerin Sabine Monauni eröffnete die Ausstellung und unterstrich damit die Bedeutung Ernst Sommerlads für das kulturelle Gedächtnis und die Baukultur des Landes. Mit der Vernissage erhielt das, was zuvor in Vorträgen und Debatten verhandelt worden war, eine sichtbare Form für ein breites Publikum. 

Den Schlusspunkt setzte die Buchpräsentation der neuen Monografie „Ernst Sommerlad Architekt 1895- 1977“. Dr. Frank Zindel, Enkel Ernst Sommerlads und Vorsitzender der Stiftung Sommerlad, stellte die Publikation vor und schlug damit eine persönliche Brücke. Das Buch ist bei Park Books erschienen und versammelt die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit Sommerlads umfangreichem Werk im gesamten Alpenraum, inklusive Werkkatalog. 

Am 28. und 29. November 2025 folgten nach Führungen in St.Gallen auch Führungen im Fürstentum zu den Bauten Ernst Sommerlads, die das vielfältige Jubiläumsprogramm vor Ort abrundeten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Tag weit mehr zeigte als eine Werkschau. Er machte deutlich, wie gross Sommerlads gedanklicher und geografischer Radius war. Gerade die unterschiedlichen Zugriffe auf seine Person und seine Bauten, politisch, rechtlich, architekturhistorisch und denkmalpflegerisch, liessen jene Essenz der Moderne hervortreten, die sein Werk trägt. Dabei wurde auch klar, wie prägend Sommerlad für Liechtenstein und die gesamte Region war. Dass die Universität selbst mitten in einem von seinen Bauten geformten Umfeld liegt, verlieh dieser Einsicht am Ende eine ganz unmittelbare Anschaulichkeit.

 

Mehr Info unter www.uni.li/sommerlad

Fotos: Fabio Schober 

Menschen, die auf Architekturmodelle schauen

Ernst-Sommerlad-Symposium

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