Vielfältig, relevant und international sichtbar: Publikationen der Liechtenstein Business School im ersten Halbjahr 2025
Vielfältig, relevant und international sichtbar: Publikationen der Liechtenstein Business School im ersten Halbjahr 2025
Forschung an der Liechtenstein Business School ist so vielfältig wie aktuell: Im ersten Halbjahr 2025 wurden zahlreiche Studien veröffentlicht und auf internationalen Konferenzen präsentiert – von Bürgerforschung und künstlicher Intelligenz über Kryptowährungen bis hin zu ressourcenschonendem Investieren.
Die Publikationen zeigen nicht nur eine hohe wissenschaftliche Qualität, sondern auch die enge Verbindung zu gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Fragestellungen. Die folgenden Beiträge geben einen Einblick in die vielfältigen Forschungsthemen. Weiterführende Links zu zusätzlichen Publikationen und News finden sich im Anschluss.
Forschung für alle: Wie Bürgerinnen und Bürger die Wissenschaft mitgestalten können
Wissenschaft ist längst nicht mehr nur Sache von Laborkitteln und Elfenbeintürmen – das zeigt ein neues Forschungsprojekt der Universität Liechtenstein. In einer Anfang des Jahres in der renommierten Zeitschrift Electronic Markets veröffentlichten Studie präsentieren Michael Gau und seine Mitautoren ein innovatives System, das Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Forschung einbindet. Statt nur Ergebnisse zu konsumieren, sollen Interessierte selbst mitdenken, Fragen stellen und Probleme gemeinsam mit Forschenden erkunden. Möglich wird das durch eine digitale Plattform, die in mehreren Studien mit Freiwilligen designt und evaluiert wurde. Das Ziel: Die Wissenschaft näher an den Alltag der Menschen bringen – und gemeinsam Lösungen für reale Herausforderungen finden. Ein spannender Schritt in Richtung einer offeneren und partizipativeren Forschungskultur.
Gau, M., Greif-Winzrieth, A., Maedche, A., Weinhardt, C., & vom Brocke, J. (2025). Engaging citizen scientists: designing an open research system for collaborative problem exploration. Electronic Markets. https://doi.org/10.1007/s12525-025-00757-z
Generative KI im Einsatz – zwischen Staunen und Umsetzung
Im März veranstaltete digital-liechtenstein.li in Kooperation mit der Universität Liechtenstein ein Webinar zur Generativen KI und MLOps – und das Interesse war sehr gross! Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich eingewählt, um mehr über die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich zu erfahren.
Die Referenten Prof. Dr. Johannes Schneider und Jonas Bokstaller gaben spannende Einblicke in den aktuellen Stand der Generativen KI und zeigten, wie Machine Learning Operations (MLOps) in der Praxis funktionieren.
Drei Beiträge auf der DESRIST 2025
Michael Gau, Senior Scientist an der Universität Liechtenstein, war zusammen mit Kollegen mit gleich drei Beiträgen an der diesjährigen DESRIST, der führenden Konferenz im Bereich Design Science Research, beteiligt:
- Der Beitrag «AI-Based Design Science Research: An Exploratory Framework for Leveraging Artificial Intelligence in Design Science Research» untersucht, inwieweit Künstliche Intelligenz im Design-Science-Prozess eingesetzt werden kann, und bietet ein Rahmenwerk, das Forschende und Praktiker bei der Nutzung von KI-Potenzialen unterstützt.
- Der Beitrag «Past Lessons, Future Directions: An Author-Informed Review of Design Science Research in Information Systems» entstand im Rahmen des Erasmus+-Projekts Design Science Research Academy. Anhand von 14 Interviews mit DSR-Expert:innen analysiert er die Entwicklung und Zukunft der Design Science Research in der Wirtschaftsinformatik.
- Im dritten Beitrag wurde die im gleichnamigen Erasmus+-Projekt entwickelte Design Science Research Academy vorgestellt – ein offener Prototyp für innovative und kollaborative DSR-Lehrmaterialien.
Künstliche Intelligenz im Fokus: Stellenausschreibungen als Trendbarometer
Wie lassen sich Zukunftstrends in der KI erkennen? Der Konferenzbeitrag «Job Postings Analysis as a Tool for Technology Foresight», präsentiert von Marie Scheuffele, Doktorandin an der Liechtenstein Business School auf der ISPIM Innovation Conference in Bergen (Norwegen), zeigt einen neuen Weg auf: Mithilfe von Text Mining wurden weltweit über 100'000 Online-Stellenanzeigen aus den Jahren 2023 und 2024 analysiert, um aktuelle Entwicklungen in der Nachfrage nach KI-Kompetenzen sichtbar zu machen.
Die Studie identifiziert nicht nur gefragte KI-Skills und deren Entwicklung über Zeit, Länder und Branchen hinweg – sie zeigt auch, wie Stellenausschreibungen als datenbasierte Grundlage für Technologie-Foresight genutzt werden können. Der Beitrag wurde für den renommierten Knut Holt Award, welcher das beste Conference Paper der ISPIM Innovation Conference auszeichnet, nominiert.
Scheuffele, M., Martini, M., John, M., & Brecht, L. (2025). Job Postings Analysis as a Tool for Technology Foresight. Paper presented at the ISPIM Innovation Conference, Bergen, Norway.
Phishing-Erkennung: Warum viele Schutzsysteme in Asien versagen
Phishing-Webseiten sind ein globales Problem. Dennoch konzentrieren sich viele bestehende Erkennungssysteme fast ausschliesslich auf die «westliche» Welt – und übersehen dabei, dass Phishing auch in anderen Regionen, wie etwa China, weit verbreitet ist. Eine internationale Studie, mitverfasst von Dr. Giovanni Apruzzese, Assistant Professor für Data & Application Security, zeigt: Viele gängige Phishing-Erkennungssysteme, die bei Webseiten für westliche Nutzerinnen und Nutzer (z. B. auf Englisch oder Deutsch) gut funktionieren, versagen bei chinesischen Phishing-Seiten – mit Erkennungsraten von teils unter 1 %.
Um dem auf den Grund zu gehen, sammelte das Forschungsteam einen neuen Datensatz chinesischer Phishing-Webseiten («ChiPhish») und testete bestehende Systeme. Auf Basis ihrer Ergebnisse entwickelten sie einen verbesserten Erkenner, der Phishing-Seiten aus verschiedenen Regionen mit einer Erkennungsrate von über 98 % identifizieren kann – bei gleichzeitig sehr geringer Falsch-Positiv-Rate.
Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Computers & Security veröffentlicht:
Yuan, Y., Apruzzese, G., & Conti, M. (2025). Beyond the West: Revealing and Bridging the Gap Between Western and Chinese Phishing Website Detection. Computers & Security (Januar).
Technologietrends erkennen – dank Online-Stellenanalysen
Im März konnte Marie Scheuffele, Doktorandin an der Liechtenstein Business School im Rahmen der ISPIM Connects in Südafrika ihre Forschung zu zukunftsrelevanten Technologien für die Schweiz vorstellen. Zusammen mit Prof. Dr. Leo Brecht untersuchte sie, wie Online-Stellenausschreibungen als alternative Datenquelle genutzt werden können, um technologische Trends zu identifizieren und das Einstellungsverhalten von Schweizer Unternehmen branchenübergreifend zu analysieren. Der Konferenzbeitrag liefert zudem einen Überblick über aktuelle wissenschaftliche Trendstudien sowie über neue datengetriebene Ansätze in der Innovationsforschung.
Scheuffele, M., & Brecht, L. (2025). Future-ready technologies for Switzerland: Trend insights from job postings analysis. Paper presented at the ISPIM Connects Cape Town, South Africa - Transforming Futures Through Innovation, Cape Town, South Africa.
Ressourcenschonend investieren – und besser verdienen? Neue Studie zeigt überraschende Ergebnisse
Können Unternehmen, die besonders effizient mit Ressourcen wie Energie oder Wasser umgehen, an der Börse erfolgreicher sein? Genau das hat eine Studie untersucht, die an der 36. ISPIM Innovation Conference in Bergen vorgestellt wurde.
Thomas Beales, Dr. Djordje Zivkovic und Prof. Dr. Leo Brecht von der Liechtenstein Business School nutzten dafür einen neuen Analyseansatz namens Data Envelopment Analysis (DEA) und testete diesen anhand von 1’500 börsennotierten US-Unternehmen. Das überraschende Ergebnis: Firmen mit hoher Ressourceneffizienz schnitten bei der Rendite besser ab als solche, die nach den bekannten ESG-Kriterien bewertet wurden.
Die Studie zeigt: Wer auf echte Umweltleistung statt auf allgemeine Nachhaltigkeits-Ratings setzt, könnte langfristig erfolgreicher investieren.
Beales, T., Zivkovic, D., & Brecht, L. (2025). Resource efficient firms and stock returns. Paper presented at the 36. ISPIM Innovation Conference, Bergen Norway.
Warum die Wahl der Krypto-Börse über Gewinn oder Verlust entscheidet
Kryptowährungen boomen – doch viele wissen nicht, dass man durch geschickte Wahl von Handelszeitpunkt und Börse bares Geld sparen kann. Eine neue Studie der Liechtenstein Business School zeigt: Wer Kryptowährungen wie Bitcoin oder Altcoins handeln möchte, sollte auf die sogenannte Liquidität achten – also darauf, wie leicht und schnell man kaufen oder verkaufen kann, ohne dabei den Preis stark zu verändern.
Prof. Dr. Martin Angerer, Dr. Marius Gramlich und Prof. Dr. Michael Hanke haben Tausende von Handelsdaten ausgewertet und festgestellt, dass sich die Handelsbedingungen – je nach Plattform, Uhrzeit und Währung – stark unterscheiden. An einigen Börsen ist es deutlich günstiger zu handeln als an anderen, vor allem bei weniger bekannten Währungen.
Auch interessant: Börsen selbst können beeinflussen, wie liquide ihr Angebot ist – zum Beispiel durch die Anzahl der angebotenen Handelspaare oder durch spezielle Regeln für den Handel. Das bedeutet: Wer beim Krypto-Handel auf die Details achtet, kann hohe versteckte Kosten vermeiden und seine Gewinne steigern.
Angerer, M., Gramlich, M., & Hanke, M. (2025). Order Book Liquidity on Crypto Exchanges. Journal of Risk and Financial Management, 18(3).
Digitales Zentralbankgeld: Gefahr für Banken oder Chance für Stabilität?
Mehr als 100 Zentralbanken weltweit arbeiten aktuell an der Einführung von digitalem Zentralbankgeld – sogenanntem Central Bank Digital Currency (CBDC). Doch wie wirkt sich ein solches neues Geldsystem auf das Verhalten von Bankkundinnen und -kunden aus?
Eine neue Studie von Prof. Dr. Michael Hanke, Professor für Finance, und Forschenden aus Grossbritannien geht genau dieser Frage nach. Die Forschenden analysieren in ökonomischen Experimenten, wie sich Menschen verhalten, wenn sie ihre Bankeinlagen in CBDCs umwandeln können – und welche Gestaltung dieser digitalen Währungen das Risiko eines Bank Runs erhöht oder mindert.
Die Erkenntnisse sind besonders relevant für Zentralbanken und politische Entscheidungsträger: Denn wer CBDCs einführen will, muss dafür sorgen, dass sie das Finanzsystem nicht destabilisieren, sondern stärken.
Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift The B.E. Journal of Economic Analysis & Policy veröffentlicht, die im ABDC-Ranking als A-Journal gelistet ist.
Shakina, Ekaterina, Hanke, Michael and Ellis, Scott. "Central Bank Digital Currencies: Experimental Evidence of Deposit Conversion" The B.E. Journal of Economic Analysis & Policy, vol. 25, no. 1, 2025, pp. 127-137. https://doi.org/10.1515/bejeap-2024-0192
Self-Leadership: Die unterschätzte Schlüsselkompetenz für Unternehmerinnen und Unternehmer
Was braucht es, um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen und weiterzuentwickeln? Die neue Studie „Self-leadership: The essential drive for entrepreneurs“ von Prof. Dr. Marco Furtner, Professor für Entrepreneurship & Leadership, gemeinsam mit Dr. Simon Liegl und Dr. Kilian Klösel zeigt: Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die Fähigkeit zur Selbstführung – also dazu, sich selbst klare Ziele zu setzen, eine Vision zu entwickeln, sich zu organisieren, zu motivieren und Ideen konsequent umzusetzen.
Die Forschenden belegen: Self-Leadership verstärkt den Einfluss der Persönlichkeit auf Innovationskraft und Leistung. Mit anderen Worten: Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich selbst gut führen können, sind innovativer und leistungsfähiger – unabhängig davon, wie ausgeprägt ihre unternehmerische Persönlichkeit ist.
Ihr Fazit: Wer ein Unternehmen gründen will, sollte gezielt an seiner Fähigkeit zur Selbstführung arbeiten – am besten noch bevor die erste Idee in die Tat umgesetzt wird.
Furtner, M., Liegl, S., & Klösel, K. (2024). Self-leadership: The essential drive for entrepreneurs. Journal of the International Council for Small Business.
Weitere Beiträge wurden im Rahmen der European Conference on Information Systems (ECIS) präsentiert. Ein Überblick dazu findet sich hier.
Zudem wurden drei weitere Studien in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, zu denen bereits Newsbeiträge erschienen sind: