Universität Liechtenstein
Participating Institutions
Team
1. BarCamp Liechtenstein
1. BarCamp Liechtenstein
Das BarCamp Liechtenstein ist die ideale Plattform seine Anliegen, Interessen einem breiten Publikum vorzustellen. Hauptsächlich geht es dabei um den freien Austausch von Wissen bei dem kommerzielle Absichten in den Hintergrund treten sollen.
Morgens stellen die Teilnehmer gemeinsam das Tages-Programm zusammen. 3 Räume stehen beim BarCamp Liechtenstein für parallele 45 Minuten Sessions zur Verfügung.
"Was werden die Themen des BarCamps Liechtenstein sein?". Diese Frage kann nicht beantworten werden, denn die verschiedenen Teilnehmer werden die Themen definieren. Beim BarCamp Dornbirn waren beispielsweise Themen wie Web 2.0, Blogs, Wikis, Soziale Medien, Soziale Netzwerke, Freie Software, Online Communities aber auch Themen wie Nachhaltigkeit, Prozessmanagement, Social Business, Unternehmertum vertreten.
Ein BarCamp ist von den Teilnehmer für die Teilnehmer.
Kontakt
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Sacha Schlegel, sacha@schlegel.li, +41 79 435 07 78
Registration
Das BarCamp Liechtenstein ist für alle Teilnehmer gratis. Dies gilt auch für das Rahmenprogramm.
Zur Planung des Caterings sowie der Anzahl der Besucher-T-Shirts, registrieren Sie sich bis spätestens 5. November 2009 unter:
http://www.barcamp.li/index.php/BarCamp_Liechtenstein_2009
Hochschul-Infotag 2007
Hochschul-Infotag 2007
Klassik mit Querflöte und Gitarre
Klassik mit Querflöte und Gitarre
Benjamin Scheck wurde in Genf geboren und studierte Gitarre am Konservatorium für Musik und Theater in Bern. Er konzertiert sowohl als Solist als auch in diversen Ensembleformationen.
Das Konzert findet in Zusammenarbeit mit der Kolumbianischen Botschaft, Bern und dem Verein Mundo Latino FL statt.
Programm
- Begrüssung durch Trudi Ackermann, Leiterin International Office, Universität Liechtenstein
- Ansprache durch S.D. Prinz Nikolaus von und zu Liechtenstein
- Konzert
- Apéro
Kompetenzorientierte Evaluation universitärer Lehre
Kompetenzorientierte Evaluation universitärer Lehre
Während der letzten Jahrzehnte nahm die Evaluationsdichte im Bildungssektor rasant zu. Gleichzeitig wuchs die Ernüchterung über den Nutzen der Ergebnisse zur Verbesserung der Lehre. Die Universität Graz entwickelte einen kompetenzorientierten Evaluationsmodus. Anstelle der Bewertung einer Lehrperson tritt hier die Bewertung des Kompetenzzuwachses der Studierenden. Diesen Ansatz wollen wir nutzbar machen, um damit die Qualität der Lehre zu stärken.
Referentin:
MMag. Alexander Dorfer,
Abteilung Lehr- und Studienservices,
Qualitätssicherung in der Lehre,
Karl-Franzens Universität Graz
Im Anschluss an den Vortrag laden wir Sie bei einem Apero zum Gespräch und Austausch ein.
BarCamp Liechtenstein 2010
BarCamp Liechtenstein 2010
Das BarCamp Liechtenstein ist die ideale Plattform seine Anliegen, Interessen einem breiten Publikum vorzustellen. Hauptsächlich geht es dabei um den freien Austausch von Wissen bei dem kommerzielle Absichten in den Hintergrund treten sollen.
Morgens stellen die Teilnehmer gemeinsam das Tages-Programm zusammen. 3 Räume stehen beim BarCamp Liechtenstein für parallele 45 Minuten Sessions zur Verfügung.
"Was werden die Themen des BarCamps Liechtenstein sein?". Diese Frage kann nicht beantworten werden, denn die verschiedenen Teilnehmer werden die Themen definieren. Beim BarCamp Liechtenstein 2009 waren beispielsweise Themen "Was ist Nachhaltigkeit?" "Banken - Unternehmensethik systematisch gestaltet", "CoWorking Spaces", "Improvisationstheater", "Mikrogenossenschaften", "Linux Distributionen", "Start Initiative Bedingungsloses Grundeinkommen", "Global Spirituality", "Wirtschaftswachstum und Zuwanderung", "Strategischer Konsum" vertreten.
Ein BarCamp ist von den Teilnehmer für die Teilnehmer.
Veranstaltungsort
Hochschule Liechtenstein, Vaduz
Kontakt
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Sacha Schlegel, sacha@schlegel.li, +41 79 435 07 78
Kosten
Das BarCamp Liechtenstein ist für alle Teilnehmer gratis.
Informationen
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.barcamp.li/index.php/BarCamp_Liechtenstein_2010
Registration
Bitte registrieren Sie unter http://www.barcamp.li/index.php/BarCamp_Liechtenstein_2010 bis spätestens 20. Oktober 2010 (zur Planung Catering und Anzahl Besucher-T-Shirt).
Vortrag über Bhutan - Dr. Jamba Gyeltshen
Vortrag über Bhutan - Dr. Jamba Gyeltshen
Der Referent wird Bhutan in seinen verschiedenen Facetten vorstellen.
Unter Ökonomen erregte Bhutan vor einigen Jahren Aufmerksamkeit, als die Regierung beschloss, das vom aufgeklärten Monarchen befürwortete Maß für den Wohlstand des Landes anzuwenden: das Bruttosozialglück (gross national happiness).
Ein Steckbrief des Landes
Das Königreich Bhutan, Druk Yul (tib. =Drachen-land), im östlichen Himalaya gelegen, im Süden begrenzt vom indischen Tiefland Assam, im Norden von Tibet, im Westen von Sikkim/Darjeeling, im Osten von Arunachal Pradesh. Intakte Urwälder, immenser Holzreichtum, Sal, Teak, Bambus, Sandelholz, Rhododendron, Deodar-Kiefern und zahlreiche andere Nadelhölzer. Mit einer Fläche von 46'620 km2 leicht grösser als die Schweiz, relativ dünn besiedelt.
Das kleine Königreich Bhutan zählt circa 810.000 Einwohner (Juli 2006). Staatsreligion ist der Mahayana Buddhismus in einer lamaistisch-tantrischen Ausrichtung.
Der Transitionsprozess von einer absoluten Monarchie zu einer parlamentarischen Demokratie begann im 1952 mit der Krönung von Jigme Dorji Wangchuck zum dritten König, der als "Architekt des modernen Bhutan" gilt. Sein Sohn Jigme Singhye Wangchuk setzte nach 1974 den Demokratisierungskurs seines Vaters fort. 2001 folgte die Einrichtung einer verfassungsberatenden Versammlung, die im März 2005 den ersten Verfassungsentwurf vorlegte, der 2007 verabschiedet wurde. Als Zeichen der Zeitenwende dankte der heute 52-jährige Jigme Singhye Wangchuck im Dezember 2006 als König ab und ließ seinen inzwischen 27-jährigen Sohn, den in Oxford studierten Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, zum Nachfolger krönen.
(Vortrag auf engl, mit dt. Simultanübersetzung)
Warum Klimapolitik drei Dividenden braucht
Warum Klimapolitik drei Dividenden braucht
2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Und erstmals lagen die Jahre 2023–2025 im Durchschnitt über +1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau – jener Leitplanke, die das Pariser Abkommen als kritisch markiert. Natürliche Faktoren wie El Niño haben die Temperaturen zusätzlich um etwa 0,1 °C erhöht, aber der massgebliche Treiber sind steigende Konzentrationen von CO₂, Methan und anderen Treibhausgasen.
Der Befund ist eindeutig: Klimapolitik muss wirksam und effizient sein. Die erste Dividende ergibt sich aus der marktwirtschaftlichen Logik. Liechtenstein ist über das Emissionshandelsgesetz an das europäische Emissionshandelssystem angebunden. Ein grosser Markt mit einheitlichem Preis sorgt dafür, dass Emissionen dort reduziert werden, wo die Kosten am niedrigsten sind. Das schützt die Industrie vor Wettbewerbsnachteilen und vermeidet nationale Insellösungen.
Doch Effizienz allein reicht nicht. Die zweite Dividende ist ökonomischer Natur: CO₂-Einnahmen sollten genutzt werden, um verzerrende Abgaben – etwa auf Arbeit – zu senken. Liechtenstein erstattet den Teil der Einnahmen aus der CO2-Abgabe, der von Unternehmen geleistet wurde, über die ALV-relevante Lohnsumme an die Unternehmen zurück. Das senkt die Arbeitskosten und stärkt den Standort – ein rationaler Einsatz der Mittel.
Bleibt die dritte Dividende. CO₂ Preise wirken regressiv. Haushalte mit tiefem Einkommen, Ölheizung oder hohem Pendelbedarf tragen eine überproportionale Last. Wer Klimapolitik politisch tragfähig halten will, muss diese Verteilungswirkungen adressieren: durch zielgerichtete Unterstützung, Sanierungsförderung und einen sozial austarierten Übergang. Ohne diese dritte Dividende verliert die Klimapolitik ihre Mehrheitsfähigkeit.
Hier setzt unsere Forschung an: Gemeinsam mit der Universität Freiburg und LISER untersuchen wir im Rahmen eines Erasmus+-Projekts die Belastungsprofile verschiedener Haushaltstypen – und wie Klimapolitik zugleich wirksam, effizient und fair gestaltet werden kann.
30 Jahre EWR – Und jetzt?
30 Jahre EWR – Und jetzt?
Der EWR bildet das Rückgrat der Beziehungen zwischen Liechtenstein und der EU. Er geniesst breite Unterstützung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Doch über die Zukunft des EWR entscheidet Liechtenstein nicht allein.
Als das EWR-Abkommen am 1. Januar 1994 in Kraft trat, glaubten nur mehr wenige Experten an eine lange Zukunft des EWR. Die Schweizer Stimmbevölkerung hat den EWR-Beitritt abgelehnt und die EWR/EFTA-Staaten Finnland, Österreich und Schweden waren bereits mit einem Fuss in der EU. Doch entgegen allen Prognosen feierte der EWR mittlerweile seinen 30. Geburtstag.
Zeit, das Erfolgsgeheimnis dieses Modells zu ergründen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie die drei EWR/EFTA-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen. Das übergeordnete Ziel des EWR ist «eine beständige und ausgewogene Stärkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vertragsparteien unter gleichen Wettbewerbsbedingungen und der Einhaltung gleicher Regeln». Was sperrig klingt, ist es auch. Um Sinn und Zweck des EWR zu verstehen, lohnt sich deshalb der Blick auf dessen Entstehungsgeschichte.
Entstehung und Erfolg des EWR
Hinter dem EWR stehen zwei internationale Organisationen: die EFTA und die EU. Die EFTA wurde 1960 als Gegengewicht zur damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gegründet. Doch die EU erwies sich als attraktiver, und viele EFTA-Staaten wechselten ins EU-Lager. Um wirtschaftlich nicht abgehängt zu werden, suchten die verbliebenen EFTA-Staaten nach einer Möglichkeit, am EU-Binnenmarktprojekt teilzunehmen, ohne ihre nationale Souveränität einzuschränken. Die Verhandlungen über das EWR-Abkommen waren zäh. Die EFTA-Staaten wollten jegliche politische Integration vermeiden, welche deren Souveränität schwächen würde. Zugleich wollten sie ein Mitspracherecht, wenn die EU neues EWR-relevantes EU-Recht erlässt.
Im Gegensatz dazu war die EU bestrebt, «Trittbrettfahren» und «Rosinenpicken» der EFTA-Staaten durch eine selektive Teilnahme am Binnenmarkt zu verhindern. Auch bestand die EU auf der Autonomie ihrer Institutionen und Prozesse, was die Teilnahme der EWR/ EFTA-Staaten an den EU-Entscheidungsprozesse ausschloss. Nach langwierigen Verhandlungen einigte man sich auf die sogenannte Zwei-Pfeiler-Struktur: Die EFTA-Staaten schufen mit dem EFTA-Gerichtshof und der EFTA-Überwachungsbehörde eigene Institutionen, die den EU-Organen ähneln. Gemeinsame Gremien verbinden die beiden Pfeiler und sichern die Homogenität von EU- und EWR-Recht.
Auch der Geltungsbereich des EWR war zu Beginn umstritten. Während die EWR/EFTA-Staaten dauerhafte Ausnahmen wollten, verwies die EU auf die Integrität ihrer Rechtsordnung. Den Kern des EWR bilden die vier Grundfreiheiten: Warenverkehr, Personenverkehr, Dienstleistungsverkehr und Kapitalverkehr. Ergänzend regelt das Abkommen gleiche Wettbewerbsbedingungen und gemeinsame Standards, etwa im Umwelt- und Verbraucherschutz. Damit soll ein «level playing field» für Unternehmen in den EWR/EFTA- und EU-Staaten entstehen und den Bürgerinnen und Bürgern gleiche Rechte verliehen werden.
Trotz dieses breiten Ansatzes bleibt der Geltungsbereich des EWR unvollständig und bisweilen schwer abzugrenzen, da verschiedene Politikbereiche wie z. B. die Zollunion oder die Landwirtschaft nicht Teil des EWR sind. Der EWR ist somit ein Kompromiss, der die unterschiedlichen Interessen von EFTA-Staaten und EU ausbalanciert – ohne sie vollständig zu überwinden. Nach 30 Jahren fällt die Bilanz des EWR positiv aus – sowohl für die EU als auch für die EWR/EFTA-Staaten. Der EWR schafft für Wirtschaft und Bevölkerung Rechtssicherheit und Planbarkeit. Durch diverse Kommissionen und Ausschüsse sind die EWR/EFTA-Staaten in einem regelmässigen Austausch mit der EU.
Im Unterschied zu anderen Assoziationsabkommen – insbesondere den bilateralen Abkommen Schweiz-EU – findet dieser Austausch primär auf Ebene der Fachexperten statt und ist somit sachorientiert und wenig politisiert. Dank der pragmatischen Herangehensweise aller Vertragsparteien zeigte sich der EWR zudem erstaunlich anpassungsfähig an die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen. Dies war nur möglich, weil der EWR in den EWR/EFTA-Staaten grosse Unterstützung geniesst. Im Laufe der Jahre haben sich die EWR/ EFTA-Staaten gegenüber der EU als verlässliche Partner bewiesen und auch die EU hat ihre Macht nie richtig ausgenutzt. Im Gegenteil: Gerade im Verhältnis zu Liechtenstein zeigte sich die EU wiederholt bereit, die Kleinheit Liechtensteins und dessen besondere Situation aufgrund der Zollunion mit der Schweiz zu berücksichtigen und flexible Lösungen zu eröffnen.
Der EWR hat aber auch Schwächen. Die Komplexität der Zwei-Pfeiler-Struktur ist durch neue Institutionen auf der EU-Seite und neue Verfahren auf der EFTA-Seite weiter gestiegen. Eine ständige Herausforderung ist, dass die EWR/ EFTA-Staaten gegenüber der EU mit einer Stimme sprechen müssen. Konkrete Funktionsprobleme zeigen sich vor allem in einer oftmals verzögerten Übernahme von neuem EU-Recht in das EWR-Abkommen sowie in der Prüfung der EWR-Relevanz. Zugleich hat sich gezeigt, dass das EWR-Abkommen allein nicht alle Bedürfnisse abdeckt, weshalb alle drei EWR/EFTA-Staaten zusätzliche Abkommen mit der EU abgeschlossen haben – z. B. im Asylbereich.
In der Fachliteratur wird der EWR auch für sein Demokratiedefizit kritisiert, weil die EWR/EFTA-Staaten zu wenig in den EU-Entscheidungsprozess eingebunden sind und deren nationale Parlamente bei der Übernahme von neuem EU-Recht meist vor vollende Tatsachen gestellt sind. Vergleichbare Demokratiedefizite treten in allen Assoziationsformen und auch bei einer EU-Mitgliedschaft auf. Eine EWR-spezifische Herausforderung ist aber die fehlende Transparenz über das tatsächliche Integrationsniveau.
Während in der EU grössere Integrationsschritte von langwierigen Debatten begleitet werden, wurden im EWR neue Verfahren ohne viel Aufsehen eingeführt, selbst wenn diese Verfahren bisweilen quasi-supranationale Elemente im EWR einführten. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der EWR ist ein Erfolgsmodell, aber eines, an dem ständig weitergearbeitet werden muss.
Gruppenfoto des EWR-Rat in Brüssel vom 20. November 2025: Sabine Monauni, Regierungschefin-Stellvertreterin Liechtenstein, Espen Barth Eide, Aussenminister Norwegen, Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir, Aussenministerin Island, Marie Bjerre, Europaministerin Dänemark, Valdis Dombrovskis, EU-Kommissar für Wirtschaft und Produktivität, Umsetzung und Vereinfachung. (Quelle: European Union/Francois Lenoir)
Geostrategische Trends
In den vergangenen Jahren hat sich die internationale Ordnung stark verändert. Folgende strategische Entwicklungen lassen sich feststellen:
• Es entsteht eine multipolare Ordnung mit einem strategischen Wettbewerb zwischen den Grossmächten, insbesondere zwischen den USA und China. Dieser Wettbewerb eskaliert zunehmend in Form von wirtschaftlichen und cybertechnischen Konflikten bzw. deren Androhung.
• Es erfolgte ein starker Macht- und Bedeutungsverlust von internationalen Institutionen und Normen. Das Völkerrecht wurde geschwächt und die Problemlösungsfähigkeit der internationalen Gemeinschaft bei globalen Herausforderungen in Frage gestellt.
• Der anhaltende Aufstieg populistischer Kräfte schwächt vielerorts die demokratischen Institutionen. Die Frustration über die unzureichende Handlungsfähigkeit der Politik in einer komplexeren Welt schafft fruchtbaren Boden für nationalistische Agenden.
• Die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verschwimmen. Dies zeigt sich insbesondere im Verhältnis von Europa und Russland. Damit entstehen hybride Konflikte geprägt von Desinformations- und Propaganda-Kampagnen, Einmischung in Wahlen und politische Prozesse sowie Angriffe auf Kritische Infrastrukturen.
Für Liechtenstein sind diese Trends besorgniserregend. Internationale Politik droht, ein reines Machtspiel zu werden. Ein Kleinstaat wie Liechtenstein kann zwar Verhandlungsgeschick haben, aber eben keine Macht. Entsprechend ist es auf internationales Recht und verlässliche Partner angewiesen – allen voran die Zusammenarbeit mit der EU im Rahmen des EWR.
Verhältnis EU zum EWR
In ihrer Geschichte zeigte sich die EU unterschiedlich offen gegenüber der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit Nicht-Mitgliedstaaten. Die Gründung des EWR fiel in eine Zeit, in welcher die EU stark von der eigenen Attraktivität überzeugt war und deshalb andere Staaten ohne weiteres an den Errungenschaften des europäischen Integrationsprozesses teilhaben liess. Die multiplen Krisen der letzten Jahre haben aber zu einem gewissen Umdenken geführt. Die EU war zunehmend darauf bedacht, Zugangshürden zum Binnenmarkt zu schaffen sowie generell ihre Grenzen zu schützen, frei nach dem Motto «Gute Zäune, machen gute Nachbarn.» Beispiele hierfür waren die Verschleppung der EU-Erweiterung, strengere Kriterien für assoziierte Mitglieder sowie zahlreiche Rechtsakte, mit welchen die EU auf protektionistische Massnahmen anderer Grossmächte reagierte.
Wie so oft, gibt es in der EU aber auch gegenläufige Entwicklungen. So hat der Erweiterungsprozess jüngst wieder an Fahrt gewonnen – insbesondere für Montenegro und Albanien. Die EUKommission sieht die EU als Hüterin der liberalen Demokratie und bezeichnet die Erweiterung als politische Priorität und geopolitische Investition. Für die EWR/ EFTA-Staaten und den EWR ist dies grundsätzlich ein gutes Zeichen. Eine Herausforderung für den EWR bleibt jedoch die 2023 erlassene und kürzlich aktualisierte Europäische Strategie für wirtschaftliche Sicherheit. Mit dieser Strategie beabsichtigt die EU strategische Abhängigkeiten zu verringern und ihre Resilienz angesichts zunehmender wirtschaftlicher Zwangsmassnahmen und Störungen der Wertschöpfungsketten zu stärken. Sie ist somit eine direkte Reaktion auf die geopolitischen Entwicklungen.
Für die Zukunft Europas ist diese Strategie und die darin angedachten Massnahmen von grosser Bedeutung. Ihr Erfolg ist deshalb auch im Interesse der EWR/ EFTA-Staaten. Die Umsetzung der Strategie wird aber das Prüfen der EWR-Relevanz von neuem EU-Recht weiter erschweren. Zudem werden Politikfelder, die bisher nicht Teil des EWR waren, wie z. B. Zoll- und Aussenhandelspolitik, Industriepolitik oder Sicherheitspolitik, immer wichtiger für das Funktionieren des Binnenmarkts. Die EWR/EFTA-Staaten könnten so gezwungen sein, näher an die EU heranzurücken, damit der EWR weiterhin reibungslos funktioniert. Island und Liechtenstein profitieren dabei davon, dass die geostrategische Relevanz Norwegens aufgrund seiner Energiereserven stark gestiegen ist und die EU kein Interesse daran hat, die Partnerschaft mit Norwegen zu schwächen.
Optionen und Szenarien
In den vergangenen 30 Jahren hat sich das integrationspolitische Umfeld des EWR laufend verändert. Die EU hat sich erweitert und vertieft. Es wurden neue Integrationsmodelle für Nicht-Mitgliedstaaten sowie für ehemalige Mitgliedstaaten geschaffen. Auch wurden neue regulatorische Prioritäten gesetzt und neue Governancemodelle eingeführt. Hinzukommen regelmässig wechselnde politische Mehrheiten – in den EWR/ EFTA-Staaten, den EU-Staaten und dem EU-Parlament. Bis jetzt hat der EWR stets eine Antwort auf die veränderten Rahmenbedingungen gefunden. Dennoch ist es wichtig, dass sich Liechtenstein mit den verschiedenen Optionen und Szenarien für seine zukünftigen Beziehungen mit der EU auseinandersetzt. Die klar beste Option und das wahrscheinlichste Szenario für Liechtenstein bleibt aber vorerst die Fortführung der EWR-Mitgliedschaft.
Die Ästhetik steckt im Kleinen
Die Ästhetik steckt im Kleinen
Wie sieht eine Architektur aus, die nicht wirtschaftliches Wachstum, sondern ein gutes Leben und soziale Gerechtigkeit zum Ziel hat? Diese Frage bewog meine Partnerin Isha und mich, einen etwas anderen Werdegang einzuschlagen. Kurz nach Abschluss unseres Architekturstudiums gründeten wir 2020 den gemeinnützigen Verein Arch Aid. Wir hinterfragten den Bedarf weiterer Neubauten in der Schweiz und nahmen aufgrund von Ishas Herkunft gleichzeitig einen hohen Bedarf für klimaresistente und sichere Bauten in Indien wahr.
Wir hatten genug davon, uns mit Luxusproblemen auseinanderzusetzen. Stattdessen wollten wir einen Beitrag leisten, um die Lebensbedingungen benachteiligter Menschen in Indien durch die Erstellung baulicher Infrastrukturen ein kleines Stück zu verbessern. Anfangs betrachteten wir unsere Tätigkeit als einen eher einseitigen Prozess, einen Wissens- und Geldtransfer von der Schweiz nach Indien. Durch den Gebrauch regenerativer und lokaler Baumaterialien wie Lehm, Bambus, Holz und Stroh versuchten wir die regionale Wertschöpfung zu fördern, statt eine international agierende Stahl- und Zementindustrie zu unterstützen. Dabei stellten wir fest, dass sich auch die Menschen in einem abgelegenen indischen Dorf an urbanen Bau- und Lebensweisen orientieren: «Dort, wo ihr herkommt, sind die Häuser und Strassen auch nicht aus Lehm gebaut, oder?», konfrontierte uns ein Dorfbewohner. Das Dorf schaut, wie in der nächstgelegenen Stadt gebaut wird, dieses blickt auf die Grossstädte Delhi oder Mumbai, und diese wiederum nehmen sich Dubai, London oder New York zum Vorbild.
Bautraditionen stehen unter Klimadruck
In Bahuarwa, wo wir eine Schule gebaut haben, haben nur wenige Haushalte eine Toilette, aber fast jede erwachsene Person besitzt ein Mobiltelefon. Es gibt keine funktionierende öffentliche Schule, dafür aber superschnelles Internet. So werden urbane Bau- und Lebensstile des Globalen Nordens zumindest digital erfahrbar. Es war daher wenig überraschend, dass das schönste Haus im Dorf für viele dasjenige ist, das in Anlehnung an eine Villa des Bollywood-Stars Shah Rukh Khan in Mumbai gebaut worden ist: Lehm oder Bambus sucht man da vergebens.
Die Ablehnung von natürlichen Baumaterialien ist nicht nur Folge von anderen digitalen Vorbildern, sondern hängt auch mit den Auswirkungen des Klimawandels zusammen, die wiederum eng mit unserer Lebensweise im Globalen Norden verknüpft sind. Vermehrte Extremwetterereignisse im nördlich angrenzenden Himalaya-Gebirge verursachen Überflutungen in der flachen Landschaft von Bihar mit gravierenden Folgen für vernakuläre Bautraditionen: Lehmfundamente werden unterspült, Wände erodieren, ganze Gebäude fallen in sich zusammen. Und so wachsen die Zweifel gegenüber natürlichen Baumaterialien, und der Umstieg auf gebrannte Ziegel, Zement und Stahl beschleunigt sich.
Ein weiterer Grund für die zunehmende Ablehnung regenerativer Baumaterialien ist wirtschaftlicher Natur. Die rasant expandierende Zement- und Stahlindustrie, nicht selten mit Wurzeln im Globalen Norden, erkennt solch abgelegene Regionen als neue Absatzmärkte. Sie verdrängt die lokale Baukultur, bis oft keine andere Wahl mehr besteht, als ein Gebäude mit Zement und Stahl zu errichten. So wird es auch in ländlicheren Gegenden Indiens immer schwieriger, regenerative Baumaterialien einzusetzen, da die handwerkliche Expertise nicht mehr vorhanden ist.
Bauen im globalen Spannungsfeld
Die Leitbilder des Fortschritts, die Folgen des Klimawandels oder der Einfluss globaler Bauindustrien sind nur einige der Abhängigkeiten zwischen Globalem Norden und Süden, die uns während des Baus der Schule begleiteten. Aus einem «zu wenig» «genug» zu machen, bedingt auch, aus einem «zu viel» «genug» zu machen. Gerade in Bezug auf Letzteres haben wir - und habe vor allem ich als Schweizerwährend unseres mehrmonatigen Aufenthalts wertvolle Lektionen gelernt. Wenn wir den lokalen Handwerksleuten Anweisungen zum Mischverhältnis von Lehm, Stroh und Wasser gaben, winkten sie ab. «Ihr kennt die Materialien aus den Büchern, wir wachsen mit ihnen auf.»
Um die Bedürfnisse der Schulkinder besser zu verstehen, nahmen wir an ihrem Alltag teil. Stolz zeigten sie uns ihre selbstgemachten Spielzeuge: einen Cricketschläger aus Bambus, Figuren aus Lehm oder Bälle aus weggeworfenem Malerklebeband. In der subtropischen Winterzeit zogen wir abends einen zweiten Pullover an und wärmten uns an einem offenen Feuer. Gleichzeitig bekamen wir Videoanrufe von Freunden aus der Schweiz, die in kurzen Hosen vor dem Fernseher sassen, während draussen der Schnee fiel. In diesen Momenten stellte sich in unseren Köpfen immer wieder die Frage nach dem richtigen Mass.
Obwohl unsere Arbeit in Indien finanziell und strukturell eingeschränkt ist und einen pragmatischen Zugang zur Architektur erfordert, sollen die Bauten, die wir bauen, nicht nur dauerhaft und funktional sein, sondern auch ästhetisch überzeugen. Die Ästhetik steckt jedoch nicht im Spektakulären und Ausserordentlichen, sondern im Einfachen und Kleinen. Während wir die Schule in Bihar planten und bauten, wurde uns klar, dass ein radikaler Einsatz regenerativer Materialien wie Lehm und Bambus wenig zielführend war, wenn das Gebäude und die angewendeten Methoden von der Bevölkerung akzeptiert werden sollten. Anders als bei uns zeugt der Gebrauch natürlicher Baumaterialien nicht von Umweltbewusstsein, sondern von Armut. Nur Angehörige von ausgeschlossenen Kasten wohnen in Bahuarwa noch in Bauten aus Lehm und Bambus.
Eine blaue Fassade gegen die Stigmatisierung
Im Austausch mit der Bevölkerung legten wir das rechte Mass von natürlichen und stärker verarbeiteten Materialien fest. Dabei war die soziale Bedeutung des Materials genau so massgebend wie seine technischen Eigenschaften. Dies führte dazu, dass wir analog zum Greenwashing ein Bluewashing durchführten: Wir verschleierten den Einsatz von regenerativen Materialien mit einem blauen Anstrich der Fassade, um so eine Stigmatisierung der Schulkinder zu verhindern. Wenn «genug» im Sinne einer gerechten Verteilung der begrenzten planetaren Ressourcen verstanden werden soll, braucht es eine Annäherung von beiden Seiten. In der Konfrontation mit einer anderen Kultur lernen wir diese nicht nur kennen, sondern nehmen auch unsere eigene bewusster wahr. Während unserer Arbeit in Indien haben wir gelernt, unsere Tätigkeit nicht als einseitigen Transfer im Sinne einer Entwicklungshilfe zu verstehen, sondern als einen gemeinsamen Lernprozess.
Messen wir Entwicklung und Fortschritt nämlich am Umgang mit unserer Umwelt, so drängt sich die Frage auf, wer hier Hilfe braucht. Statt Nachhaltigkeit in Materialien und Produkten zu suchen, haben wir in Indien gelernt, dass letztlich die Nutzung entscheidend ist. Die Frage nach dem «Genug» kann nicht allein durch technologischen Fortschritt beantwortet werden, sondern bedingt, dass wir Nachhaltigkeit als Praktik und nicht als Produkt verstehen. Zahlreiche Nachhaltigkeitsstrategien, die wir aus Vorträgen und Büchern kennen, von Upcycling- und Repair-Workshops bis zu gemeinschaftlichem Wohnen und Selbstversorgung im eigenen Garten, erleben wir während unserer Tätigkeit in Indien täglich. Jedoch nicht als Folge eines Umweltbewusstseins, sondern eines Mangels. Im Zuge der sich zuspitzenden Umweltkrise und steigender Unterschiede zwischen Überfluss und Mangel stellt sich die Frage, wie lange wir uns noch vor der Frage nach dem richtigen Mass drücken können. Dabei könnte «Genug» ein vielversprechendes Gestaltungsprinzip für unsere Bau- wie auch unsere Lebensweisen sein.
Zum Autor
Architekt Daniel Haselsberger leitet ein Entwurfsstudio an der Universität Liechtenstein, wo er auch sein Doktorat absolviert. In seiner Dissertation erforscht er die gesellschaftliche Bedeutung und Akzeptanz regenerativer Baumaterialien im indischen Bundesstaat Bihar und sucht nach Möglichkeiten, diese mit neuen Baumethoden und -materialien zu kombinieren. Zusammen mit seiner Partnerin Isha Haselsberger, einer in Indien geborenen Architektin, gründete er 2020 den gemeinnützigen Verein Arch Aid. Von 2022 bis 2024 errichteten sie in Zusammenarbeit mit der NGO Bahuarwa Foundation im indischen Bundesstaat Bihar eine Schule für Kinder aus ausgeschlossenen Kasten. Haselsberger hat den Bau der Schule mit seiner Forschung verknüpft. Während der Schulbau von der Analyse der örtlichen Baukultur profitierte, lieferte der Planungs- und Bauprozess der Schule Daten für seine Doktorarbeit und einen Mehrwert für die örtliche Bevölkerung.
Dieser Beitrag wurde erstmals am 5.11.2025 in der Zeitschrift "Hochparterre" veröffentlicht.