Nachhaltige Finanzen: Liechtenstein prämiert Forschung zu Klimarisiken und CO₂-Reduktion
Nachhaltige Finanzen: Liechtenstein prämiert Forschung zu Klimarisiken und CO₂-Reduktion
Am 25. September 2025 versammelte der 9. Liechtenstein Workshop of Sustainable Finance an der Universität Liechtenstein führende Köpfe aus internationaler Wissenschaft und regionaler Wirtschaft.
Sie diskutierten aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen in der nachhaltigen Finanzierung. Othar Kordsachia und sein Team der Professur für Sustainable Finance and Investments organisierten die Veranstaltung. Wissenschaftler präsentierten ihre Arbeiten, und die besten Beiträge erhielten Auszeichnungen. Bernd Hartmann (VP Bank), Karin Jehle (LIFE Klimastiftung Liechtenstein) und Christian Maruhn (Liechtenstein Life Assurance) überreichten die Preise.
Klimarisiken treiben Rohstoffpreise
Filippo Pellegrino (Imperial College London) gewann den Best Paper Award der VP Bank für seine Studie «A Tale of Commodities and Climate-driven Disasters». Er zeigt, dass sich die Rohstoffproduktion seit den 1970er Jahren in klimaanfällige Regionen verlagert hat. Finanzmärkte preisen diese Risiken ein: Rohstoffe mit höherem Klimarisiko steigen nach Extremwetterereignissen im Preis, während widerstandsfähigere Rohstoffe geringere Renditen bieten und als Absicherung dienen.
ESG-Ratings spielen kaum eine Rolle
Den Impact Award der LIFE Klimastiftung Liechtenstein erhielten Youpeng Zhang und Bennet Janssen (ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) für «Beyond Consensus: ESG Rating Divergence and Sustainable Investments». Ihre Befragung deutscher Retail-Investoren zeigt, dass ESG-Ratings bei Anlageentscheidungen kaum eine Rolle spielen. Zwei Drittel der Befragten besitzen nachhaltige Fonds, aber nur 6 Prozent nutzen ESG-Ratings aktiv. Hohe Durchschnittsratingwerte fördern Investitionen, während divergierende Einschätzungen zwischen Agenturen verunsichern und die Allokation in nachhaltige Fonds hemmen.
Wettbewerb führt zu CO₂-Reduktionen
Der Climate Finance Award der Liechtenstein Life Assurance ging an Manuel Kathan, Raphaela Roeder und Sebastian Utz (Universität Augsburg) sowie Martin Nerlinger (Universität St. Gallen) für «How Does Competition Affect Firms’ Carbon Performance? Firm-Level Evidence from Tariff Cuts». Sie nutzen Zollsenkungen als Quasi-Experiment und zeigen, dass verstärkter Wettbewerb Unternehmen zu deutlichen CO₂-Reduktionen über alle Scopes (1, 2 und 3, relativ zum Umsatz) bewegt. Unternehmen mit hoher Emissionsintensität setzen auf sichtbare Massnahmen wie interne CO₂-Preise, während emissionsärmere Firmen in Investitionen und immaterielle Vermögenswerte investieren und Fremdkapital aufnehmen.
Der Workshop bot erneut eine Plattform, um internationale Forschung mit regionaler Praxis zu verknüpfen. Die ausgezeichneten Arbeiten tragen zum besseren Verständnis von Klimarisiken, ESG-Ratings und Wettbewerbseffekten bei und betonen die Notwendigkeit enger Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Investoren und Unternehmen für eine nachhaltigere Wirtschaft.