Studio India – Ein Grenzen überschreitender Dialog
Studio India – Ein Grenzen überschreitender Dialog
Der abgebildete Zeitungsartikel ist für uns zwar schwer zu verstehen, zeugt aber von der Strahlkraft des Engagements der LSA, das bis in den westindischen Bundesstaat Gujarat reicht. Der Artikel in der lokalen Zeitung Divya Bhaskar handelt vom Bambus Workshop, den das Studio India in Kooperation mit der lokalen NGO Center for Indian Bamboo Resource and Technology (CIBART) durchgeführt hat. Dabei konnten die Studierenden von indigenen Handwerkenden lernen und in deren Lebens- und Arbeitsweisen eintauchen. Hinzu kam der Besuch von Bambushäusern, die CIBART in Kooperation mit der NGO Base Bahay und der Hilti Foundation in den letzten Jahren errichtet hat.
Im Wintersemester 2025 kooperiert das Studio India der Fachgruppe Architektur und Gesellschaft der Liechtenstein School of Architecture mit der NGO CIBART im westindischen Bundesstaat Gujarat. Unter der Leitung von Anna Heringer und Daniel Haselsberger und unterstützt von der Architektin und gebürtigen Inderin Isha Haselsberger erarbeiten 20 Architektur-Studierende Konzepte für ein Ausbildungszentrum für Bambus-Handwerkende aus benachteiligten, indigenen Bevölkerungsschichten.
Ziel des Studio India ist es, auf die Bedürfnisse der Nutzergruppen einzugehen, deren handwerkliche Stärken zum Ausdruck zu bringen und mit lokal vorhandenen, natürlichen Ressourcen wie Bambus und Lehm klimaverträgliche Entwürfe zu entwickeln. Im Studio India konzentrieren wir uns auf die Veränderungen traditioneller Bauformen im Zuge der Globalisierung, die auch vor abgelegenen Gegenden Indiens nicht Halt macht. Welche natürlichen Ressourcen stehen zur Verfügung? Wie lassen sich alte und neue Bauweisen kombinieren? Muss es immer Zement sein?
Die Frage nach dem rechten Mass steht implizit im Mittelpunkt des Studios: Wie wird «zu wenig» zu «genug» in dem behandelten Kontext, und warum ist «weniger» in unserem Kontext oft «mehr»? Die Konfrontation der Studierenden mit einer benachteiligten Nutzergruppe aus einer anderen Kultur fordert sie heraus, sich einem Entwurf mit grösserer Sensibilität und Empathie zu nähern, als sie es gewohnt sind.
Die Auseinandersetzung mit einem fremden Kontext fordert die Studierenden heraus, sich mit einer neuen Kultur auseinanderzusetzen und sich dabei ihrer eigenen Herkunft und Privilegien bewusster zu werden. Es handelt sich dabei keineswegs um einen Wissenstransfer vom Globalen Norden in den Globalen Süden, sondern vielmehr um eine bilaterale Wissensproduktion, um globale Herausforderungen anzugehen, die uns alle betreffen und daher eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit erfordern.