Produktivität als doppelter Gewinn
Produktivität als doppelter Gewinn
Produktivitätsgewinne gehören zu den stärksten Kräften in einer Volkswirtschaft und bieten einen doppelten Gewinn– sowohl für Investoren als auch für die Volkswirtschaft.
Erstens ermöglichen steigende Produktivitätsraten Investoren, Überrenditen zu erzielen. Unternehmen, die effizienter produzieren, können bei gleichen oder geringeren Kosten mehr Output erzielen. Das führt zu höheren Margen, steigenden Cashflows und langfristig zu überdurchschnittlichem Gewinnwachstum. Investoren können diese Unternehmen identifizieren, die sich durch Effizienzgewinne vom Markt abheben. Produktivität wird so zu einer zentralen Quelle nachhaltiger Überrenditen.
Zweitens fördern Produktivitätsgewinne das Wachstum und dämpfen die Inflation. Höhere Produktivität erhöht das reale Bruttoinlandsprodukt (GDP), da mehr Wertschöpfung pro eingesetzter Arbeitsstunde entsteht. Gleichzeitig sinkt der Kostendruck auf Preise: Wenn Unternehmen effizienter arbeiten, müssen sie steigende Löhne oder Inputkosten nicht vollständig an Konsumenten weitergeben. Das dämpft Inflation, ohne Nachfrage oder Investitionen zu bremsen
Ein Blick auf die aktuellen Daten zeigt jedoch, wie wertvoll und zugleich knapp Produktivitätsfortschritte geworden sind. Im EU-Raum ist die Arbeitsproduktivität nach Rückgängen in den Vorjahren zwar wieder leicht gestiegen, bewegt sich mit Zuwächsen von unter einem Prozent pro Jahr auf einem historisch niedrigen Niveau. Das Wachstum ist zudem stark fragmentiert zwischen den Mitgliedstaaten. In Liechtenstein zeigt sich ein ähnliches Bild: Das gesamtwirtschaftliche Wachstum wurde in den vergangenen Jahren primär durch steigende Beschäftigung – insbesondere durch Grenzpendler – getragen, während die Produktivität pro Arbeitsstunde weitgehend stagnierte. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie entscheidend echte Effizienzgewinne für nachhaltiges Wachstum sind.
Die Rolle von Künstlicher Intelligenz – wichtig, aber nicht ausschliesslich. Künstliche Intelligenz (KI) wird oft als zentraler Hebel zukünftiger Produktivitätsgewinne gesehen. Sie bietet erhebliches Potenzial, etwa durch die Automatisierung von Prozessen, bessere Entscheidungsunterstützung und Skaleneffekte in wissensintensiven Tätigkeiten. In einzelnen Unternehmen sind bereits messbare Effizienzgewinne sichtbar.
Gleichzeitig sollte die Rolle von KI realistisch und kritisch eingeordnet werden. Produktivitätsfortschritte entstehen selten durch Technologie allein, sondern durch deren konsequente Integration in Prozesse und Organisation. Zudem wirken KI-Effekte gesamtwirtschaftlich oft verzögert und ungleich verteilt.
KI ist damit ein wichtiger Katalysator, aber kein Selbstläufer. Entscheidend wird sein, wo technologische Innovation tatsächlich in nachhaltige Produktivitäts- und Ertragsgewinne übersetzt wird – für Unternehmen, Investoren und die Volkswirtschaft insgesamt.
Über den Autor
Prof. Dr. Leo Brecht ist Professor für Innovation und Technologie an der Universität Liechtenstein. Seine Schwerpunkte umfassen Methoden des Innovations-, Technologie- und Produktmanagement sowie deren Auswirkung auf den Unternehmenserfolg. An der Universität ist er verantwortlich für ein MBA-Programm im Bereich Technologie- und Innovationsmanagement und leitet Forschungsprojekte, in Zusammenarbeit mit Unternehmen. Darüber hinaus ist er Gründer mehrerer Start-ups und aktiver Investor.