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Ausgewählte Fragen im Kontext von Generalklauseln im liechtensteinischen Privatrecht

Project Description

Das liechtensteinische ABGB wurde 1812 nach österreichischem Vorbild übernommen. Nach dem Ersten Weltkrieg orientierte sich Liechtenstein wirtschaftlich zur Schweiz hin, was auch eine Anpassung des Privatrechts an die schweizerische Rechtsordnung zur Folge hatte. Rezipiert wurden das Sachenrecht sowie teilweise das Personen- und Gesellschaftsrecht, wobei in Letzterem auch liechtensteinische Eigenschöpfungen zu finden sind. Die Reform des Obligationen-, Erb- und Familienrechts scheiterte, sodass bis heute das Privatrecht aus schweizerischen und österreichischen beeinflussten Normen besteht. Seit dem EWR-Beitritt 1995 gewinnt auch die europäische Gesetzgebung zunehmend an Einfluss. Gleichzeitig kann das Gesetz niemals alle Sachverhalte abschliessend regeln, da dies zu einer unendlichen Ausdehnung der Gesetzestexte führen würde. Rechtsordnungen des kontinentaleuropäischen Rechtskreises bietet hierfür eine Lösung mittels Generalklauseln. Diese Rechtsnormen haben einen weit gefassten Tatbestand, der durch die Rechtsprechung sowie Wissenschaft konkretisiert werden muss. Aus rechtswissenschaftlicher Sicht spricht man in diesem Zusammenhang von Lücken intra legem. Es liegt also keine echte Gesetzeslücke vor, sondern es kann sehr wohl eine generalklauselartige Norm angewendet werden. Allerdings ist eine Lösung der Rechtsfrage nur möglich, sofern die Generalklausel durch das Gericht mit eigenen Wertungen gefüllt wird. Neben dem einfachen Gesetz und die Bildung von Fallgruppen aus der Rechtsprechung können ebenso Grundrechte zur Füllung der Generalklauseln herangezogen werden. Das Forschungsprojekt soll die Wirkung solcher Generalklauseln im liechtensteinischen Privatrecht untersuchen.

Relevance to Liechtenstein

Das Forschungsprojekt widmet sich Forschungsfragen im liechtensteinischen Privatrecht. Insbesondere sollen dabei bisher wenig untersuchte Rechtsfragen im Zusammenhang mit Generalklauseln des Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) sowie dem Personen- und Gesellschaftsrecht (PGR) in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Liechtenstein Business Law School widmet sich naturgemäss schwerpunktmässig dem liechtensteinischen Recht und schafft mit ihrer Forschung essenzielle Grundlagen für die liechtensteinische juristische Praxis. Darüber hinaus fällt das Forschungsprojekt thematisch in den Kernbereich "Verantwortung und Gesellschaft" der Universität Liechtenstein. Die erzielten Forschungsergebnisse leisten einen wertvollen Beitrag zur Rechtsentwicklung und stärken die Rechtssicherheit innerhalb der liechtensteinischen Rechtsordnung. Sie tragen somit nicht nur zur Wissenschaft, sondern auch zur praktischen Anwendung und gesellschaftlichen Stabilität bei. Insbesondere im Bereich der indirekten Drittwirkung der Grundrechte über die Generalklausel der Sittenwidrigkeit nach § 879 ABGB ist im liechtensteinischen Recht bisher wenig erforscht und das Forschungsprojekt daher von grosser Relevanz für Wissenschaft und Praxis.

Scientific, Economic and Societal Impact

Rechtssicherheit ist ein zentraler Pfeiler der Stabilität und Entwicklung des Landes. Wissenschaftliche Forschung in diesen Bereichen trägt wesentlich zur Stärkung der Rechtssicherheit sowie Souveränität bei, indem sie liechtensteinischen Rechtsanwendern fundierte Orientierungshilfen bietet. Universitäre Forschung muss einerseits anwendungsbezogene Untersuchungen beinhalten, andererseits auch Grundlagenforschung betreiben, die langfristig Relevanz für weiterführende rechtswissenschaftliche Studien und praxisnahe Anwendungen entfaltet. Dieses Forschungsprojekt setzt an beiden Stellen an.

Zirkuläre Bausysteme: Segmentierte Konstruktionsansätze à la Philibert de L'Orme am Beispiel der Caserne Rochambeau

Project Description

Die segmentierte Bauweise, wie sie bereits im 16. Jahrhundert von Philibert de L'Orme entwickelt wurde, lässt sich als frühes Beispiel eines zirkulären Bauverständnisses interpretieren. Durch modulare, zerlegbare Konstruktionseinheiten ermöglichte de L'Orme nicht nur einen effizienten Materialeinsatz, sondern auch die Wiederverwendbarkeit einzelner Bauteile - ein Prinzip, das im Kontext heutiger Nachhaltigkeitsdiskussionen neue Relevanz gewinnt. Die Caserne Rochambeau bietet ein Beispiel für die Weiterentwicklung solcher Prinzipien im 20. Jahrhundert. Die hier eingesetzten Bohlenkonstruktionen zeigen, wie sich historische Strategien der Ressourcenschonung und Wiederverwendbarkeit in die moderne Ingenieurbaukultur übertragen lassen. Diese Untersuchung fragt, inwiefern sich die segmentierte Konstruktionslogik de L'Ormes in der strukturellen und gestalterischen Ausformung der Caserne Rochambeau wiederfindet - und welche Potenziale daraus für heutige zirkuläre Bauansätze ableitbar sind. Darüber hinaus untersucht die Forschung weitere bestehende Dachstrukturen à petit bois und zieht vergleichende Schlüsse zur Entwicklung der Bohlenkonstruktion.

Participating Institutions

Urbanisierung im Vergleich: Wohnen, Mobilität und Alltagsleben im Alpenrheintal und im GCR

Project Description

Urbane Infrastruktur - vom Wohnungsbau über die Energie- und Wasserversorgung bis hin zu den Verkehrssystemen - bildet die Grundlage für die Lebensbedingungen in modernen Stadtregionen. Diese Beziehungen können enorme Territorien umfassen, die Urbanisierung in neue Dimensionen ausdehnen und
die materiellen, politischen und sozialen Dimensionen des Raums verändern. Dieses Projekt verbindet die globalen Fragen dieser Forschungsrichtung der ausgedehnten Urbanisierung mit laufenden empirischen Forschung zu Urbanisierungsprozessen im Alpenrheintal in Mitteleuropa und in der Stadtregion Gauteng
in Südafrika. Die Studie stützt sich auf diese frühere Forschung an der Universität Liechtenstein in Verbindung mit sozialwissenschaftlichen Methoden, um die Art und Weise zu untersuchen, wie sich die Urbanisierung zwischen den etablierten städtischen Zentren und den geografischen Peripherien „ausdehnt“, und um zu versuchen, die Form und die Auswirkungen der laufenden urbanen Transformationen in den zwei Fallstudiengebieten zu bestimmen. Dabei werden wir insbesondere mit vergleichenden Methoden aus der Stadt- und Politikwissenschaft arbeiten, um uns auf die Produktion von Wohnraum, die Verkehrssysteme und die Alltagserfahrungen der Menschen in ausgewählten Gebieten innerhalb der Fallstudien zu
konzentrieren. Die Gegenüberstellung dieser Regionen trägt auch zur neuesten Theorie der Stadtforschung bei und bringt Wissenschaftler:innen aus vielen Regionen der Welt zusammen, um über die Probleme der heutigen Urbanisierung zu reflektieren. Das Projekt mündet in einem Sammelband; die Inhalte
davon werden auch in den Medien einem breiten Publikum zugänglich gemacht, um die lokalen Belange Liechtensteins und der Schweiz in einen globalen Dialog zu bringen.

Relevance to Liechtenstein

Wir erwarten, dass unser vergleichender und multiskalarer Ansatz wichtige Erkenntnisse über das Spektrum der Auswirkungen der Urbanisierung auf Liechtenstein liefern wird. Wir erwarten auch zu erfahren, wie sich die Stadtentwicklungspolitik auf das Alltagsleben der Menschen auswirkt, zum Beispiel auf die räumlichen Muster des Pendelns und die Beziehungen zwischen Arbeit und Wohnen. Wir glauben, dass dies nicht nur theoretische, sondern auch sehr praktische Auswirkungen haben wird, die wir versuchen werden, in Form von politischen Empfehlungen für Liechtenstein als Teil des stark urbanisierten Alpenrheintals zu formulieren.
Das Projekt berührt zudem direkt die thematischen Schwerpunkte der Universität Liechtenstein, vor allem Nachhaltigkeit, Verantwortung und Gesellschaft. Insbesondere soll die Mobilität als zentraler Aspekt der Nachhaltigkeit untersucht werden. Die Transformation der gebauten Umwelt und der Wohnpraktiken steht im Zusammenhang mit dem Fokus der Universität auf Nachhaltigkeit. Die Verantwortung für diese Umwelt und diese Praktiken ist ebenfalls von grosser Bedeutung, ebenso wie die gesellschaftliche Relevanz unserer Erkenntnisse für den einzelnen Menschen und für Governance-Strategien im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung.

Scientific, Economic and Societal Impact

Das Projekt ist innovativ, weil es darauf abzielt, einen Vergleich zwischen zwei hochgradig verstädterten Gebieten durchzuführen, die nicht oft miteinander ins Gespräch gebracht werden, um Theorien und Konzepte durch empirische Forschung in jedem der beiden Gebiete zu bewerten. Auf diese Weise wollen wir die breitere Schnittstelle zwischen Stadtentwicklung und Gesellschaft verstehen: Welche Kräfte wirken an der Peripherie, wo gibt es Momente der Transformation oder des Wandels, und welche Auswirkungen könnte dies möglicherweise für die Urbanisierung auf verschiedenen Ebenen haben, von Nachbarschaften bis zu Regionen hin.

Schlüsselwörter

Mobilität Raumentwicklung

Project Participants

Teaching for the Socio-Ecological Transformation of Neighborhoods: Ein inter- und transdisziplinärer Ansatz

Project Description

Unser Konsortium (Universität Liechtenstein, Bergen School of Architecture, Universität Münster und Università degli Studi di Genova) bringt führende akademische Institutionen zusammen, die sich für die Förderung der interdisziplinären Ausbildung einsetzen. Mit Hilfe der Erasmus+-Förderung wollen wir ein neues Lehrmodell entwickeln, das verschiedene disziplinäre Perspektiven und Ansätze, sehr unterschiedliche Definitionen und Maßstäbe von Nachbarschaften im Einklang mit der EU-Leipzig-Charta und dem European Green Deal integriert und so eine solidere Grundlage für die Auseinandersetzung mit den komplexen Fragen der Nachbarschaftsentwicklung schafft.
Die Motivation für das Projekt „Teaching for the Socio-Ecological Transformation of Neighborhoods: Ein inter- und transdisziplinärer Ansatz“ entstand aus der Zusammenarbeit zwischen den Partnern in der Vergangenheit und der gemeinsamen Überzeugung, dass innovative Lösungen für die gegenwärtigen Herausforderungen in der Stadtentwicklung interdisziplinäre Expertenteams UND einen transdisziplinären Ansatz benötigen, der Bürger und Interessenvertreter einbezieht. Es gibt viele dringende Herausforderungen, die für einen langfristigen sozial-ökologischen Wandel angegangen werden müssen, wie z.B. wirtschaftliche Umstrukturierung, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheiten. Indem wir uns auf vier sehr unterschiedliche städtische Kontexte in Genua, Münster, Liechtenstein und Bergen konzentrieren, zeigt unser Projekt, wie inter- und transdisziplinäre Ansätze in der Planungsausbildung - die Architektur, Humangeographie und Stadtplanung integrieren - nuancierte, kontextspezifische Interventionen entwickeln können, die zu einer nachhaltigen Stadterneuerung führen.
Die zweite Motivation für dieses gemeinsame Projekt ist die neue und zunehmende Betonung der Quartiersebene. Wichtige europäische Rahmenwerke wie die EU-Leipzig-Charta und der Europäische Green Deal betonen das Quartier als wichtigen Ort für planerische Interventionen und weisen darauf hin, dass auf der Quartiersebene „urbane Herausforderungen [...] stärker ausgeprägt sind“ (Europäische Union, 2020: S.3). Während inter- und transdisziplinäre Ansätze auch im Neuen Europäischen Bauhaus-Kompass gefordert werden, sind sie in der Lehre noch zu wenig erforscht. Unser Projekt versucht, diese Lücke zu schließen, indem wir inter- und transdisziplinäres Lernen und Lehren in den Kern unseres Ansatzes zur nachhaltigen Quartiersentwicklung einbetten. Durch angewandte Lehrformate wie Workshops, Exkursionen und Designstudios, die die Stärken und Lehrschwerpunkte der Projektpartner hervorheben, werden wir ein tieferes Verständnis zwischen Studierenden und Lehrkräften verschiedener Fachrichtungen fördern und sie mit den Fähigkeiten ausstatten, die sie benötigen, um die vielschichtigen Herausforderungen der Quartiersentwicklung zu bewältigen. Diese Betonung der Inter- und Transdisziplinarität bereichert nicht nur den akademischen Diskurs, sondern stellt auch sicher, dass unsere Erkenntnisse direkt auf die reale Quartiersentwicklung anwendbar sind. Die vier Projektstandorte stehen stellvertretend für die große Vielfalt sozialräumlicher Kontexte in Europa, so dass die Projektergebnisse auch auf andere europäische Kontexte übertragbar und skalierbar sein werden.

Revitalising isolated communities: a holistic approach to sustainable transformation

Project Description

The proposed research seeks to examine the role of architecture in promoting sustainable development and enhancing the quality of life in underdeveloped villages, with the case study within the biosphere reserve of the Danube Delta in Romania. The objective is for them to transcend a merely academic endeavor and to be implemented as all-encompassing principles, as a holistic future conviction.
The study will investigate based on the topic of the five needs (namely resource and energy, space and mobility, food and health, demographics and integration, and values and ethics) the challenges experienced by local communities and examine innovative sustainable design strategies that balance conservation and development objectives to address these challenges. Simultaneously, it is crucial to preserve the traditions and customs of such communities, to learn from them, and to attempt to reconnect the contemporary human with nature.

Project Participants

Alina Gabriela Frick-Dinu MSc Arch
- Doktorandin
Doktorandin
Employee
Prof. Dipl.-Arch. ETH/SIA Dietrich Schwarz
- Betreuer
Professor - Nachhaltiges Bauen Studienleiter BSc AR - Liechtenstein School of Architecture
Betreuer
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Assoc. Prof. Marius Voica
- Kobetreuer
Kobetreuer
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