Masterstudiengänge - LL.M. Wirtschaftsstrafrecht
Executive Master of Laws (LL.M.) im Wirtschaftsstrafrecht
Wirtschaftskriminalität – von Steuerhinterziehung über Geldwäscherei bis hin zu Cybercrime und Cryptocrime – stellt Staaten und Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. Der Executive Master of Laws (LL.M.) im Wirtschaftsstrafrecht vermittelt vertieftes Fachwissen im liechtensteinischen, EWR-, europäischen und internationalen Wirtschaftsstrafrecht, im liechtensteinischen Verwaltungsstrafrecht sowie im liechtensteinischen Strafverfahrensrecht. Das Programm verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praxisnaher Anwendung und qualifiziert für verantwortungsvolle Aufgaben in Strafverteidigung, Strafverfolgung, Criminal Compliance und Verbrechensprävention.
Modulübersicht
Der LL.M.-Studiengang vermittelt in neun Modulen fundierte Kenntnisse des liechtensteinischen, europäischen und internationalen Strafrechts, des Unternehmensstrafrechts einschliesslich Compliance und Whistleblowing, der strafrechtlichen Aspekte des digitalen Zeitalters mitsamt moderner IT-Technologien wie Blockchain oder Künstlicher Intelligenz und schliesslich des Strafverfahrensrechts.
Die ersten 3 Module können auch als Zertifikatsstudiengang Wirtschaftsstrafrecht besucht werden.
Modul 1 – Grundlagen des Wirtschaftsstrafrechts
In diesem einleitenden Modul werden wirtschaftsphilosophische Ansätze in ihren Grundzügen sowie die theoretischen Grundlagen des Strafrechts, Wirtschaftsstrafrechts und ergänzend des Verwaltungsstrafrechts behandelt. Die Studierenden erhalten insbesondere einen Einblick in das liechtensteinische Strafgesetzbuch, die Straftheorien sowie die gesellschaftliche Rolle des Strafrechts und lernen die Grundsätze der strafrechtlichen Verantwortung sowie die Voraussetzungen strafbaren Verhaltens kennen. Vermittelt werden dabei die grundlegenden Kategorien des Strafrechts, wie Tun und Unterlassen, Kausalität, Vorsatz und Fahrlässigkeit, Versuch und Beteiligung, Strafbemessung, tätige Reue und Verjährung. Anhand von Fallbeispielen wird das erlernte Wissen vertieft.
Die Studierenden erlangen die notwendigen Kenntnisse, um den weiteren Modulen des Studiengangs folgen zu können. Sie sind mit den theoretischen Grundlagen des Strafrechts sowie dessen grundlegenden Begrifflichkeiten vertraut und haben Grundkenntnisse in Wirtschaftsphilosophie erworben.
Modul 2 – Wirtschaftsstraftaten im Strafgesetzbuch (StGB)
Im zweiten Modul werden den Studierenden fundierte Kenntnisse des liechtensteinischen Strafgesetzbuchs vermittelt. Der Schwerpunkt liegt auf den Wirtschaftsstraftaten, insbesondere den Vermögensdelikten wie Betrug, Untreue und Veruntreuung, den Urkundendelikten, den Insolvenzdelikten sowie den Korruptionsdelikten wie Bestechung und Bestechlichkeit, verbotene Intervention oder Vorteilsannahme und Vorteilszuwendung. Diese Deliktsgruppen werden im Detail behandelt und umfassend erläutert.
Das erlernte Wissen wird durch die Bearbeitung praxisnaher Fallbeispiele gefestigt, wodurch ein tieferes Verständnis für die Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen erreicht wird. Das Modul wird mit einem rechtsvergleichenden Teil abgeschlossen, in dem ausgewählte Länder und deren spezifische Strafbestimmungen betrachtet werden.
Die Studierenden erwerben fundiertes Fachwissen in Bezug auf zentrale Wirtschaftsstraftaten des Strafgesetzbuchs. Sie sind in der Lage, strafrechtlich relevante Sachverhalte zu identifizieren, einschlägige Problemstellungen zu analysieren und entsprechende Lösungsansätze zu entwickeln sowie diese in der Praxis anzuwenden.
Modul 3 – Geldwäscherei und supranationales Strafrecht
Im dritten Modul wird auf nationaler sowie supranationaler Ebene jene Materie behandelt, die den zentralen Begriff der Geldwäscherei im weiten Sinne betrifft. Zunächst werden die Grundlagen des liechtensteinischen Sorgfaltspflichtgesetzes (SPG) vermittelt, das die Bekämpfung der Geldwäscherei, organisierten Kriminalität und Terrorismusfinanzierung im Sinne des Strafgesetzbuches bezweckt.
Im Anschluss wird auf die einschlägigen Strafbestimmungen eingegangen. Angesichts der grenzüberschreitenden Natur dieser kriminellen Phänomene wird zum einen das liechtensteinische Strafanwendungsrecht erläutert, das Sachverhalte mit Auslandsbezug regelt. Zum anderen werden die Grundlagen sowie die wichtigsten Institutionen des europäischen, EWR- und internationalen Strafrechts vorgestellt.
Das Modul schliesst mit einer Einführung in die juristische Recherche ab. Die Studierenden erwerben Fachwissen über die beruflichen Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung von Geldwäscherei, organisierter Kriminalität und Terrorismusfinanzierung. Sie sind in der Lage, diese kriminellen Phänomene zu erkennen, Sachverhalte mit Auslandsbezug zu identifizieren und geeignete Lösungsansätze zu entwickeln. Zudem sind sie mit den grundlegenden Begriffen des EU-, EWR- und internationalen Strafrechts vertraut.
Modul 4 – Wirtschaftsstraftaten in Materiengesetzen (oder Wahlmodul)
Im vierten Modul werden den Studierenden Wirtschaftsstrafbestimmungen vorgestellt, die in verschiedenen Materiengesetzen verankert sind. Sie erwerben vertiefte Kenntnisse im Steuer- und Zollstrafrecht, Bilanz- und Kapitalmarktstrafrecht sowie in den Bestimmungen zum strafrechtlichen Schutz von Geheimnissen. Zudem befassen sie sich intensiv mit den rechtlichen Grundlagen und praktischen Aspekten internationaler Sanktionen. Aufgrund des akzessorischen Charakters dieser Strafbestimmungen werden auch die zugrunde liegenden ausserstrafrechtlichen Verhaltensnormen eingehend behandelt. In praxisorientierten Übungsfällen wird das Gelernte vertieft und in konkrete Anwendungssituationen integriert, wodurch die Studierenden auf die Lösung realer Fälle vorbereitet werden.
Die Studierenden erlangen vertiefte Kenntnisse der wichtigsten Strafbestimmungen im Nebenstrafrecht. Sie sind in der Lage, einschlägige Handlungen in der Praxis zu analysieren, komplexe Fragestellungen zu lösen und zielgerichtete, wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze zu entwickeln.
Alternativ kann auch ein Modul eines der parallel angebotenen LL.M.-Studiengänge besucht werden. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, das eigene Fachwissen in anderen Bereichen des Rechts den individuellen Bedürfnissen entsprechend zu erweitern.
Modul 5 – Strafrecht und Unternehmen
Im fünften Modul rückt das Unternehmen in den Vordergrund. Zunächst wird die im Strafgesetzbuch normierte Unternehmensstrafbarkeit bei Fehlverhalten von Führungspersonen oder – im Fall des sogenannten Organisationsverschuldens – von sonstigen Mitarbeitenden erläutert. Im Anschluss wird der breite Bereich der Criminal Compliance behandelt, wobei der Schwerpunkt auf dem Aufbau der Compliance-Architektur, der Präventivberatung von Unternehmen und den internen Untersuchungen liegt. Ziel der internen Untersuchungen ist es, Compliance-Verstösse innerhalb des Unternehmens zu identifizieren und aufzuklären, Handlungsstrategien zur Behebung dieser Verstösse zu entwickeln und, wenn erforderlich, die Zusammenarbeit mit externen Behörden zu unterstützen.
Zudem wird das Thema Whistleblowing behandelt, wobei es sich um die Meldung von Missständen, insbesondere von Compliance-Verstössen oder Gesetzesverletzungen, durch eine hinweisgebende Person innerhalb des Unternehmens oder an eine externe Stelle handelt. Abschliessend werden fundierte Kenntnisse zum Urheberstrafrecht, Lauterkeitsstrafrecht sowie zu Strafbestimmungen in verschiedenen gewerblichen Schutzrechten vermittelt. Praktische Fälle dienen der Veranschaulichung des Lernstoffs.
Die Studierenden verfügen über fundierte Detailkenntnisse im Unternehmensstrafrecht sowie in weiteren relevanten Strafbestimmungen im Kontext unternehmerischer Tätigkeiten. Sie sind in der Lage, strafrechtliche Risiken frühzeitig zu identifizieren, geeignete Compliance-Strategien zur Risikominimierung im Unternehmen zu entwickeln und umzusetzen sowie aktiv an internen Untersuchungen mitzuwirken.
Modul 6 – Strafrecht und Digitalisierung
Im sechsten Modul werden fundierte Kenntnisse aus dem Bereich der Digitalisierung vermittelt, die das Recht vor neue Herausforderungen stellt. Zunächst werden die wichtigsten Strafbestimmungen zur Erfassung der Cyberkriminalität erläutert. Dabei wird zwischen Cybercrimes im engeren und im weiteren Sinne unterschieden. Erstere umfassen Straftaten, bei denen Angriffe auf Daten oder Computersysteme unter Ausnutzung der Informations- und Kommunikationstechnik begangen werden, wie Hacking. Letztere beziehen sich auf Straftaten, bei denen die Informations- und Kommunikationstechnik zur Planung, Vorbereitung oder Ausführung herkömmlicher Kriminaldelikte eingesetzt wird, wie Phishing. Anschliessend wird das Thema Cybersicherheit behandelt. Ein wichtiger Schwerpunkt des Moduls liegt ferner auf den modernen Technologien Blockchain und Künstlicher Intelligenz (KI). Durch die Blockchain-Technologie hat sich die Token-Ökonomie entwickelt. Erläutert wird insbesondere das liechtensteinische Blockchain-Gesetz (TVTG), gefolgt von einer Darstellung der strafrechtlichen Aspekte der Blockchain. Die Künstliche Intelligenz wird den Studierenden nähergebracht, insbesondere die Einsatzmöglichkeiten generativer KI, wie ChatGPT, im beruflichen Alltag. Nach der Präsentation des rechtlichen Rahmens für den Einsatz von KI werden die ethischen und strafrechtlichen Fragestellungen behandelt.
Die Studierenden erwerben die Fähigkeit, strafrechtlich relevante Sachverhalte im digitalen Kontext zu erkennen und praxisorientiert zu lösen. Sie können qualifiziert mit den Herausforderungen von Token und KI umgehen.
Modul 7 – Studienreise (oder Wahlmodul)
Das siebte Modul ist als Wahlmodul konzipiert und kann durch die Teilnahme an der Studienreise absolviert werden, die interessante und erkenntnisreiche Einblicke in bedeutende supranationale Institutionen vermittelt, die auch für die Rechtsumsetzung im Fürstentum Liechtenstein von grosser Relevanz sind. Das auf den LL.M.-Studiengang zugeschnittene Programm umfasst Führungen bei zentralen europäischen Behörden, Workshops bei Unternehmen sowie Besuche internationaler Gerichte und Organisationen. Begegnungen mit Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft bieten die Gelegenheit, das eigene Wissen zu vertiefen und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Ein ergänzendes Rahmenprogramm rundet die Studienreise ab.
Statt der Studienreise können die Studierenden ein frei wählbares Modul der anderen Masterstudiengänge im Bank- und Finanzmarktrecht, im Gesellschafts-, Stiftungs- und Trustrecht oder in International Taxation besuchen. Dies ermöglicht es, das Fachwissen in anderen Bereichen entsprechend den eigenen Interessen zu erweitern.
Alternativ kann für dieses Modul eine Seminararbeit zu einem im LL.M.-Studiengang behandelten Themenbereich angefertigt werden.
Modul 8 – Strafverfahren
Das achte Modul widmet sich dem Strafverfahren. Die Studierenden lernen die Grundsätze des liechtensteinischen Strafverfahrens kennen, bevor im Detail das Vorverfahren erläutert wird. Besonders wichtig sind dabei die Rechte der Verfahrensbeteiligten sowie die Beweisaufnahme, einschließlich der Aussage- und Befreiungsgründe. Zudem werden die Ermittlungsmassnahmen, wie Durchsuchungen und Beschlagnahmungen, sowie die Beweisverbote eingehend behandelt. Im Erkenntnisverfahren liegt der Schwerpunkt auf der Schlussverhandlung. Im weiteren Verlauf erhalten die Studierenden einen vertieften Einblick in das Rechtsmittelverfahren.
Als notwendige Ergänzung werden fundierte Kenntnisse im internationalen Rechtshilferecht vermittelt, die insbesondere für die Bearbeitung von Sachverhalten mit Auslandsbezug von entscheidender Bedeutung sind. Abgerundet wird das Modul durch die Erläuterung verfahrensrechtlicher Bestimmungen des liechtensteinischen Verwaltungsstrafgesetzes.
Die Studierenden erwerben vertiefte Kenntnisse im Strafverfahrensrecht und sind in der Lage, diese qualifiziert und erfolgreich auf inländische Sachverhalte anzuwenden. Zudem entwickeln sie die Fachkompetenz, um grenzüberschreitende Strafverfahren effizient zu bearbeiten.
Modul 9 – Case Studies
Im Rahmen dieses Moduls werden Case Studies durchgeführt, in denen die Studierenden praxisrelevante, umfangreiche Fälle aus dem gesamten Studienstoff analysieren, diskutieren und Lösungsvorschläge präsentieren. Durch die detaillierte Ausarbeitung der Fälle wird das in den vorherigen Modulen vermittelte Wissen gefestigt und in die praktische Arbeit integriert.
Nach Abschluss dieses Moduls sind Studierende in der Lage, ihr theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen und für komplexe Fragestellungen zielgerichtete, wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze zu erarbeiten.
LL.M. und Zertifikatsstudiengang Wirtschaftsstrafrecht
LL.M. Wirtschaftsstrafrecht: Statements von Alumni
Studiengang im Überblick: Informationen, Ablauf und FAQ
Infoveranstaltung für Studieninteressierte
Derzeit sind keine Informationsveranstaltungen online buchbar. In der Zwischenzeit beraten wir Sie gerne persönlich.
Bewerben Sie sich bis zum 31. Juli 2027
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Highlights
Downloads und Links
Rechtliche Grundlagen und Reglemente
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), Ordnungen und weiteren Richtlinien zu den Weiterbildungsstudiengängen stehen auf der Seite Wegweiser und Downloads im Downloadbereich zur Verfügung.